Pfalzgebiet Salz - Lebensraum für Könige

Kurzbericht zum Stand der Forschungen Anfang 2012

Die Grabungen 2011 liegen inzwischen hinter uns und die Auswertung der Dokumentation ist einen großen Schritt vorangekommen. Für das „Archäologische Jahr“ 2011 (herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege) haben wir (P. Ettel, L. Werther, P. Wolters) eine kurze Zusammenfassung der Untersuchungen 2010/2011 zusammengestellt, die für alle Interessierten vorab in Auszügen hier zu lesen ist. Der Abbildungsteil kann jedoch aus Copyrightgründen erst in der Druckversion veröffentlicht werden, dafür bitte ich um Nachsicht und Geduld.

Auszug aus:

Der Veitsberg – neue Forschungen im karolingisch-ottonischen Pfalzkomplex Salz

Die Grabungen bis 2006 zeigten, dass es sich bei dem Veitsberg um einen bedeutenden frühmittelalterlichen Zentralort handelt, bei dem es sich durchaus um den bislang nicht lokalisierten Kern der Pfalz Salz handeln könnte. Um den zahlreichen offenen Fragen an den Fundplatz weiter nachzugehen, den Erhaltungszustand des durch Ackerbau hochgradig gefährdeten Bodendenkmals zu erfassen und ein entsprechendes Schutzkonzept zu entwickeln wurde 2009 eine Kooperation der Stadt Bad Neustadt, der Gemeinden Hohenroth und Salz, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ins Leben gerufen. Als Basis aller weiterer Geländearbeiten erfolgte 2009 eine großflächige geophysikalische Prospektion durch das BLfD sowie die Zusammenführung der Altgrabungsdokumentationen, Luftbilder und LIDAR-Daten in einem Geoinformationssystem. Besonders in der Südwestecke der Hauptburg zeigten sich vielversprechende Strukturen. Da hier zudem noch kaum Erkenntnisse zur Stratigraphie und Befunderhaltung vorlagen, wurde an dieser Stelle im Sommer 2010 eine vierwöchige Lehrgrabung der Universität Jena durchgeführt, die 2011 eine sechswöchige Fortsetzung fand.
Die im Vorfeld an die Grabung gestellten Erwartungen wurden dabei weit übertroffen: In zwei rechtwinklig zueinander liegenden und so dem Wallverlauf folgenden Flächen mit insgesamt gut 100 m2 traten knapp unter der Oberfläche sehr gut erhaltene Baubefunde der frühmittelalterlichen Anlage zu Tage. Fast über die gesamte Länge beider Schnitte zieht sich das Fundament einer trockengesetzten zweischaligen Wehrmauer, die teilweise noch bis zu 5 Lagen hoch erhalten ist und die Hauptburg nach Nordwesten hin abriegelt. Diese Mauer verläuft parallel zu dem im Luftbild, in der Magnetik und auch in den Grabungsschnitten 1984 und 1985 erfassten über 4 m tiefen Graben wohl des 10. Jahrhunderts, der vermutlich einen älteren Grabenverlauf aufgreift. Der zugehörige geschüttete Erdwall der jüngsten Bauphase zieht an die ältere Steinmauer. Geschüttete Erdwälle dieser Art, sogenannte „Ungarnwälle“, werden in der Burgenforschung als typische Erscheinung des 10. Jahrhunderts und fortifikatorische Reaktion auf die Einfälle ungarischer Kriegsscharen in das Ostfränkische Reich interpretiert.
Wie die Wall-Graben-Anlage biegt die ältere Wehrmauer zwischen Schnitt 1 und 2 etwa rechtwinklig ab. Innerhalb dieser Ecksituation konnte in Schnitt 1 ein mächtiger gerundeter Mauerzug mit einer Breite von bis zu 2,6 m aufgedeckt werden. Im Südteil weist er einen äußerst aufwändigen Unterbau aus schräg gesetzten Steinen zwischen grob gesetzten Bruchsteinschalen auf, wohingegen im Ostteil eine sauber gesetzte Außenschale aus Quadern in ein mächtiges Kalkmörtelbett versetzt ist, das auf einem 2-lagigen, annähernd rechteckig auskragenden Fundament aufsitzt. Im Westteil des Schnittes sind sowohl die Wehrmauer als auch der gerundete Mauerzug durch Steinraub stark gestört.
Daher wurde 2010 zunächst vermutet, es handle sich um einen apsidialen Baukörper. Die weiteren Ausgrabungen 2011 sowie eine ergänzende Untersuchung mittels Bodenradar durch das BLfD zeigen nun allerdings, dass es sich um einen turmartigen Rundbau mit einem Außendurchmesser von mindestens 15 m handelt. Auch im östlichen Teil von Schnitt 2 haben sich Spuren dieses „Rundturmes“ in Form von Ausbruchsgruben erhalten. Die stratigraphische Situation dieses außergewöhnlichen Befundes ist bislang nicht eindeutig, da durch die starke Beackerung der Flächen nur wenige Schichten ungestört erhalten blieben. Eine an Wehrmauer und Rundbau anziehende Brandschicht lässt allerdings auf eine gemeinsame Nutzungsphase beider Baukörper schließen und Mauerverlauf und Bauausführung zeigen, dass aller Wahrscheinlichkeit nach der „Rundturm“ in die bestehende Ecksituation der Umfassungsmauer angebaut wurde. 
Innerhalb des Rundbaus und in dessen Abbruchhorizont eingetieft liegt eine große u-förmige Ofenanlage, wie sie in ähnlicher Form bereits 1985 von Wamser ergraben und als Salzsiedeofen interpretiert wurde; nach ersten geobotanischen Untersuchungen durch B. Zach ist aufgrund von Getreideresten jedoch auch eine Nutzung als Backofen denkbar. 2011 wurde in Schnitt 3 neben der bereits bekannten Umfassungsmauer eine große, an diese Mauer anziehende und mit Brandschutt verfüllte, frühmittelalterliche Grube angeschnitten. 
Das bislang geborgene keramische Fundmaterial der Grabungen 2010/11 ist abgesehen von Spuren des spätmittelalterlich-neuzeitlichen Steinraubes dem 8. – 10. Jahrhundert zuzuordnen; hochmittelalterliche Funde fehlen gänzlich. Zahlreiche Tierknochen und botanische Reste beleuchten Ernährung und Alltagsleben während der Nutzungszeit der Befestigung. Hervorzuheben ist weiterhin ein prägefrischer Denar Herzog Heinrichs III. aus den Jahren 983-985, der auf der Abbruchschicht des „Rundturms“ liegt und damit den Niedergang der Anlage beleuchtet. Die Schriftquellen zum parallel verlaufenden Besitz- und Strukturwandel des Pfalzkomplexes Salz in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts stimmen in hervorragender Weise mit dem archäologischen Befund auf dem Veitsberg überein. Die Befestigung mutmaßlicher Kern der Pfalz Salz – wird den Grabungen zufolge noch im 10. Jahrhundert zumindest in weiten Teilen aufgegeben. An ihre Stelle treten im Hochmittelalter neue regionale Zentren wie die Stadt Neustadt auf der einen und Adelsburgen wie die Salzburg auf der anderen Seite. Als wesentlicher Akteur tritt nun das Bistum Würzburg in Erscheinung und prägt die weitere Entwicklung des Raumes. Auch an der Basis der Siedlungslandschaft zeigt sich dieser Wandel: In einem länger dauernden Prozess werden frühmittelalterliche Siedlungsareale wie die Talsiedlung „Mühlstadt“ der vermutete Wirtschaftshof der Pfalz und ebenfalls Gegenstand aktueller archäologischer Forschungen aufgegeben und es vollzieht sich ein Konzentrationsprozess im Bereich der heutigen Altorte. Zukünftigen Forschungen wird es vorbehalten sein, diesen komplexen Wandel im Detail zu beleuchten. 

Es bleibt herzlich zu danken: Den Gemeinden Bad Neustadt, Hohenroth und Salz, ohne deren Engagement und Förderung die neuen Untersuchungen auf und um den Veitsberg nicht möglich gewesen wären, der Bevölkerung für ihr Interesse und allen Beteiligten für eine stets positive Resonanz! 

Pfalzgebiet Salz - Lebensraum für Könige

Radiobeitrag zu den Ausgrabungen im Bayerischen Rundfunk

In der 5. Grabungswoche besuchte uns überraschend ein Vertreter des Bayerischen Rundfunkes, um einen Radiobeitrag zu den archäologischen Forschungen am Veitsberg aufzuzeichnen. Für die Möglichkeit, unsere Arbeiten auf diesem Medium zu präsentieren, und das schöne daraus entstandene Interview möchten wir uns ganz herzlich bei dem BR-Korrespondenten H. Friedrich bedanken!

In Kürze versuchen wir, den Beitrag im Blog zugänglich zu machen.

Grabungsarbeiten am Veitsberg. Links im Bild die beiden Autorinnen des Beitrages in Aktion. Foto: Uni Jena

Eine Ausgrabung in Bayern aus ungarischer Sicht – 2 Wochen auf dem Veitsberg

Alles hat mit einer spontanen Idee angefangen, aber wir kehrten am Ende voll mit Erlebnissen und Erfahrungen heim. Wir möchten uns an dieser Stelle noch mal bei Lukas Werther bedanken, dass wir auf dieser Ausgrabung als Mitglieder des sog. Ungarn-Projekts teilnehmen konnten, und danken ihm für seine Hilfe, die er uns leistete.

Die Fahrt von Budapest bis Hohenroth war sehr lang und anstrengend: wir sind mit dem Bus, Zug und auch mit dem Auto gefahren, um endlich den Ort der Ausgrabung zu erreichen.Als wir auf dieses Abenteuer eingegangen sind, waren wir unsicher, ob wir uns in so einer kurzen Zeit einordnen können, und mit unseren deutschen Kollegen eine gemeinsame Stimme finden würden. Aber all diese Sorge waren schon am ersten Tag weg, weil jeder sehr nett und offen war und keine sprachlichen Schwiergikeiten auftauchten: die Gespräche wurden auf Deutsch oder auch auf English geführt. Unsere Grabungsleiterin, Petra Wolters, hat uns beide, als junge Archäologinnen auch sehr herzlich willkommen geheißen und schnell ins Vertrauen angenommen. Es war uns eine große Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Nicht nur vom archäologischen Gesichtspunkt war uns diese Ausgrabung ein spezielles Erlebnis. Wir hatten viel Spaß während der Arbeit, wenn wir zum Beispiel jemanden um ein Werkzeug baten. Auch wenn wir miteinander auf English geredet haben, haben wir den Name des Werkzeuges immer auf Deutsch gesagt, so dass es alle verstanden haben. Einmal haben wir die regionale Bezeichnungen für einzelne Dinge verglichen, und hat sich gezeigt, dass das für die Schubkarre in Ost-Ungarn benutzte „furik” dem entsprechenden fränkischen Wort sehr ähnlich ist. Unsere neuen Kollegen haben uns natürlich auch nach ungarischen Wörtern gefragt. Manche haben mit einfacheren angefangen, zB. „igen” (Ja), „nem” (Nein), während die Fortgeschrittenen schon etwas koplizierteres wissen wollten: zB. „naptej” (Sonnenmilch).

Unsere kleine Gruppe hat nicht nur auf der Fläche zusammengearbeitet, sondern abends auch zusammen gekocht und geredet. Dabei herrschte immer eine gute Laune und es waren angenehme Abschlüsse eines Werktages. Einmal haben wir beinah warmes Bier probiert, nur ausschliesslich für medizinische Zwecke. Im Rahmen des täglichen Kochens haben wir deutsche Gerichte gekostet, aber es wurde auch ungarisches Abendessen gemacht: zB. „paprikáskrumpli” (Eintopfgericht mit Kartoffel und Wurst) und „tárkonyos leves” (Suppe mit Gemüse und Fleisch mit speziellem Gewürz, genannt Estragon). Wir sind darauf gekommen, dass die fränkischen Gerichte und auch die Mentalität viele Ähnlichkeiten mit den Ungarischen hat: wir könnten einander in Geschmack, Gedanken und Arbeitsmoral gut verstehen.

Weil wir insgesamt 2 Wochen auf der Ausgrabung verbrachten blieben wir das Wochenende auch in unserer Unterkunft in Hohenroth. Dank Lorenz Bauer (Bad Neustadt) standen für uns 2 Fahrräder zur Verfügung, mit denen wir die Umbegung entdecken konnten. Wir besichtigten die Nachbarstadt Bad Neustadt, wo wir neben der Stadtrundfahrt bei der Suche nach einem Internet-Café in einer Spielothek landeten. Natürlich wollten wir nicht unser Geld verspielen, wie ein Bewohner, von dem wir den Weg fragten, scherzte.

Wir haben auf der Ausgrabung auch erfahren, wie nett und interessiert die Leute dort sind. Es war für uns erstaunlich, dass jeder, der neben der Grabungfläche spazieren ging, zu uns kam um uns zu fragen, wie die Arbeit geht, und was wir schon gefunden haben. Diese Dinge machten uns immer wieder auf unsere Verantwortung aufmerksam und zeigte uns, dass unsere Arbeit einen Wert hat und nicht nur in Fachkreisen interessant sein kann.
Autorinnen: Rozália Bajkai, Szabina Merva (Budapest)

Pfalzgebiet Salz - Lebensraum für Könige

Grabungskampagne 2011 beendet

Am 20. August 2011 haben wir die erfolgreiche sechswöchige Grabungskampagne am Veitsberg beendet. Viele wichtige Fragen zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Veitsberges konnten beantwortet werden.

Mit einem Pressetermin und einem Besuch der Feuerwehr aus Bad Neustadt inklusive Drehleiter für Luftbildaufnahmen der Grabungsflächen sind die Geländearbeiten für dieses Jahr abgeschlossen.  In Kürze folgt an dieser Stelle ein erster Bericht über die wichtigsten Ergebnisse.

Vorab jedoch einige Erfahrungsberichte der Grabungsteilnehmer!

 

Pressebericht von der Kinderuniversität am 05. August

Pressebericht von der Kinderuniversität am 05. August

Pressebericht zur Ausgrabung auf dem Veitsberg im Rahmen des „Ferienfieber“ mit der Kinderuniversität Bad Neustadt. Bericht in der Rhön-Saale-Post, 08.08.2011

Grabungsleiterin P. Wolters vor den Befunden in Schnitt 1

Grabungsführung mit dem Netzwerk für Jugendkultur Bad Königshofen

Am Montag den 08. August besuchte eine große Gruppe Kinder und Jugendlicher unter Leitung von Andreas Rottmann (Museen in der Schranne, bad Königshofen) im Rahmen des Ferienprogrammes der Stadt Bad Königshofen die Ausgrabungen auf dem Veitsberg. Organisiert wurde der Ausflug vom jukunet – Netzwerk für Jugendkultur / Museen in der Schranne. Die Teilnehmer aus Bad Königshofen bewegten sich dabei auf ihrem Weg zum Veitsberg auf historischen Wurzeln, gehörten doch beide Orte im Frühmittelalter zu den wichtigsten Stützpunkten der fränkischen Könige im Grabfeld! Die Grabungsführung leitete Grabungsleiterin Petra Wolters.

Königspfalz Salz - Kinderuni

Ferienfieber – Nachwuchsarchäologen der Kinderuni graben am Veitsberg

Am letzten Freitag fand auf dem Veitsberg keine reguläre Ausgrabungstätigkeit statt, denn im Rahmen des „Ferienfieberprogramms“ der Stadt Bad Neustadt a. d. Saale besuchten uns 20 Kinder zwischen 9 und 14 Jahren, um zu erfahren wie man als Archäologe eigentlich so arbeitet. Dieses Projekt wurde in Kooperation zwischen der Kinderuni Bad Neustadt und der Universität Jena durchgeführt und bildet einen wichtigen Baustein der Vermittlung unserer Grabungsergebnisse. So war auch das Interesse schon im Vorfeld sehr groß und die Teilnehmerliste schnell gefüllt. Vor Ort genossen die Nachwuchsarchäologen zunächst eine altersgerechte fachliche Einführung vom Projektleiter Lukas Werther und der örtlichen Grabungsleiterin Petra Wolters. Dabei durften die Kinder jederzeit Zwischenfragen stellen. So konnte unter anderem geklärt werden, dass die dunklen kreisförmigen Verfärbungen im Getreidefeld nicht von Außerirdischen stammen, sondern auf bauliche Strukturen, wie Fundamente von Mauern und Türmen unter der Erde hindeuten. Danach durften sich die Teilnehmer selbst richtig dreckig machen und einen extra für diesen Anlass vorbereiteten Schnitt öffnen. Dabei wurden die Kinder in fünf Gruppen eingeteilt, die jeweils von zwei Studenten betreut wurden. So konnte jede Gruppe die einzelnen Arbeitsschritte, wie das Abtiefen, Planum putzen, Befunde erkennen und herausnehmen, sowie Zeichnen, Beschreiben und Nivellieren nach fachkundiger Anleitung durchführen, aber natürlich nicht ohne die nötige Gaudi bei der Sache zu vergessen.
Die Studentinnen Silke Jentzsch und Dominique Schmid sorgten für eine deftige Brotzeit, sodass alle Nachwuchsarchäologen gut gestärkt in die zweite Halbzeit gehen konnten. Am Ende waren die allermeisten Nachwuchsarchäologen so begeistert, dass sich eine Fortsetzung im nächsten Jahr gewünscht wurde.

Autor: Rimtautas Dapschauskas

 

Königspfalz Salz - Kinderuni

Ferienprogramm Hohenroth – Grabungsführung am Veitsberg

Unter Leitung von Gerhard Müller, 2. Bürgermeister von Hohenroth, hatte am Donnerstag den 04. August eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus Hohenroth die Gelegenheit, im Rahmen des Ferienprogramms die Ausgrabungen auf dem Veitsberg zu besuchen.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von den vielen Mauern und archäologischen Resten, die unter dem unscheinbaren Acker zu finden sind. Und dass man diese Befunde teilweise auch noch vom Flugzeug aus sehen und ohne ein Loch zu graben mit speziellen Messgeräten sichtbar machen kann überraschte umso mehr! Gemeinsam mit Grabungsleiterin Petra Wolters und Projektkoordinator Lukas Werther konnten die Teilnehmer dabei anhand verschiedener archäologischer Funde auch vieles über das Leben auf dem Veitsberg vor über 1000 Jahren lernen: über die mit Wellenlinien verzierten Töpfe, in denen gekocht wurde, die Tierknochen, Fischgräten, Muschelschalen und Getreidekörner, die als Reste der Nahrung im Boden erhalten blieben, wie mit einem Mühlstein Mehl gemahlen wurde und wer vielleicht eine Münze verloren hat, die sich über einer Abbruchschicht eines Turmes fand. Auch die praktischen Dinge kamen nicht zu kurz, so galt es die Fragen der Teilnehmer zu klären wo ein Archäologe arbeiten kann, was er so verdient und wann man dafür aufstehen muss – womit für einige der Berufswunsch Archäologe trotz der vielen spannenden Überraschungen im Boden offenbar noch einmal überdacht werden musste. Am Ende der Führung, die dem Grabungsteam durch die vielen Fragen und kreativen Ideen der Nachwuchsarchäologen viel Freude bereitet hat, ging es wieder zurück nach Hohenroth. Die besondere Geschichtsstunde zum Anfassen hat allen Teilnehmern einen wichtigen Teil der eigenen Vergangenheit direkt vor der Haustüre näher gebracht. Unser großer Dank gilt den zahlreichen Unterstützern unserer archäologischen Forschungen in Hohenroth und wir freuen uns, im Rahmen des Ferienprogramms auch die jungen Hohenrothern für die Entdeckung ihrer spannenden Geschichte begeistern zu können!

Fotos: G. Müller

Königspfalz Salz - Befundsituation in Schnitt 1.

Halbzeit – Zwischenergebnisse nach Woche 3

Nach drei Wochen Ausgrabung ist die Halbzeit für diese Saison erreicht. Schon jetzt können wir mit Freude feststellen, dass unsere Grabungstätigkeiten einige wichtige neuen Erkenntnisse zur Befestigungsanlage auf dem Veitsberg liefern werden.
Die größte Überraschung war, dass sich der schon erwähnte, apsidenförmige Mauerabschnitt in Schnitt 1, wahrscheinlich als massiver Rundturm entpuppt, mit einem Durchmesser von etwa 13 m und einer Mauerstärke von ca. 2,5 m.

Im nach Osten erweiterten Schnitt 2 versuchen wir den vermuteten Turm ein weiteres Mal zu erfassen. Zudem konnte durch weiteres Abtiefen bei der in Kalkmörtel gesetzten Wehrmauer, welche im östlichen Quadranten von Schnitt 1 noch stark gestört war, eine weitgehend ungestörte Lage von Randsteinen freigelegt werden.

In den letzten Tagen kam dann im neuen Schnitt 3, neben zahlreichen Tierknochen und Hüttenlehm, auch endlich ein wenig Keramik in einer vielversprechenden Siedlungsschicht zum Vorschein, die für Datierungsfragen wichtig sein könnte.

Bisher hatten wir auf dem Veitsberg stets Glück mit dem Wetter – diesen Donnerstagnachmittag erwischte uns dann schließlich doch noch ein heftiger Regenguss, sodass ein halber Tag Arbeit hinüber waren. Dagegen ist kein Archäologe gefeit. Nach dem verlängerten Wochenende beginnt die zweite Halbzeit und die Arbeiten werden in alter Frische fortgesetzt.

Autor: Rimtautas Dapschauskas

 

Nivellierübung. Foto: Uni Jena

Retrospektive II – die ersten beiden Grabungswochen

Ohne konkrete Vorstellungen reiste ich mit den anderen Grabungsteilnehmern am ersten Montag an. Schon zu Beginn empfand ich die Umgebung mit ihren Ortschaften und der Natur als äußerst reizvoll.

Die Arbeit selbst wurde durch die angeregten Gespräche aller Beteiligter und durch die Besuche der meist freundlichen und interessierten Anwohner nie langweilig. Auch muss ich sagen, dass die recht langen Arbeitszeiten mir eigentlich immer kürzer vorkamen, als bei anderen Grabungen, wo ich schon vorher war.

Ebenfalls fand ich die Unterstützung durch die drei Kommunen Bad Neustadt, Hohenroth und Salz äußerst beachtenswert.
Für eine Lehr- und Forschungsgrabung erwartet man aber auch, etwas für sein späteres Leben zu lernen. Es hieß im Vorfeld, dass jeder einmal alles gemacht haben sollte und das stimmte auch!

Innerhalb dieser zwei Wochen lernte ich wirklich mehr, als bei früheren Grabungspraktika. Sei´s das einfache Popeln zwischen den unendlich scheinenden Steinen der Umfassungsmauer. Oder die Einweisung und das praktische Arbeiten mit dem Nivelliergerät.

Auch eine erste Einführung in die Arbeit mit TachyCAD und das Arbeiten mit dem Tachymeter blieb niemandem vorbehalten. Durch das selbstständige Zeichnen von Schnitt 2 konnte ich ebenfalls diese Tätigkeit erlernen. Das Ergebnis war nach der Meinung unserer Grabungsleiterin auch sehr zufrieden stellend, was mich natürlich sehr freute, da ich es das erste Mal wirklich richtig machen konnte.

Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle, dass durch zwei Archäologinnen aus Ungarn, welche ebenfalls an den ersten beiden Wochen dabei waren, auch ein kultureller Austausch untereinander geschehen konnte. Für mich persönlich war es recht interessant einmal zu erfahren, wie Archäologie in einem anderen europäischen Land betrieben wird.

Abschließend lässt sich von mir als persönliches Resümee sagen, dass die Grabung auf dem Veitsberg positiv und sehr lehrreich war. Einzig das karge Fundaufkommen ist zu bedauern, was jedoch in dem Befestigungsbereich kaum anders zu erwarten war.

Autor: Florian Michel