Königspfalz Salz - Neustädter Becken

Der Veitsberg

Wo das repräsentative Zentrum des gesamten Pfalzgebietes lag, war lange Zeit Gegenstand der Diskussion. Hier brachten erst die jüngsten archäologischen Untersuchungen auf dem Veitsberg, die von 2010 bis 2013 und wieder 2021, 2022 und 2025 stattfanden, Aufschluss. Der Veitsberg liegt auf einem Bergsporn westlich der Saale zwischen den Ortschaften Salz, Bad Neustadt und Hohenroth und genau oberhalb der Siedlungswüstung Mühlstatt. Das Plateau erhebt sich rund 50 m über dem Flusstal und ist weithin sichtbar. Nach momentanem Forschungsstand handelt es sich bei der Anlage auf dem Veitsberg um das im Jahr 790 von Karl dem Großen erstmals besuchte palatium.

Bereits die Ausgrabungen 1983-1985 hatten den Nachweis einer mehrphasigen Besiedlung karolingisch-ottonischer Zeit erbracht, mit Wällen und Gräben, Vor- und Hauptburg, Siedlungsresten und einem runden Steinbau im Zentrum der Anlage. Die seit 2010 von der Universität Jena untersuchte Anlage zeigt eine massive frühmittelalterliche Steinbebauung.

Die Befestigung

Insgesamt konnten bislang vier Bauphasen von etwa 700 bis um 1200 festgestellt werden, deren bedeutendste sicherlich die karolingisch-ottonische Steinbauphase darstellt. Die durch zahlreiche Funde und 14C-Datierungen abgesicherte karolingerzeitliche Kernanlage hat einen kastellförmigen Grundriss, der von einer etwa zwei Meter breiten Mörtelmauer mit Seitenlängen bis zu 130 m und begleitendem Graben gebildet wird.

Zu dieser Steinbauphase gehören mehrphasige Siedlungsbefunde in Form von Pfostenhäusern und Gebäuden in kombinierter Holz-Stein-Bauweise in der Vor- und Hauptburg sowie verschiedene Öfen. Im Norden und im Westen wird die Anlage von einer halbrunden, etwa 2,5 ha großen Vorburg umschlossen.

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts wird nach dem archäologischen Befund die Vorburg aufgegeben. Am Beginn dieser baulichen Veränderungen des 10. Jahrhunderts entsteht in der westlichen Ecke der Steinbefestigung ein Rundbau mit über 15 m Durchmesser. Aufgrund deutlich erkennbarer Erhebungen im digitalen Geländemodell sowie verschiedenen Hinweisen im Gelände muss davon ausgegangen werden, dass auch in den anderen Ecken turmartige Einbauten standen.

Zugänge zur Befestigungsanlage dürften mindestens in der Südecke und auf der Ostseite bestanden haben.

Zu der Steinbauphase gehören mehrphasige Siedlungsbefunde in Form von Pfostenhäusern und etwas jüngeren Gebäuden in kombinierter Holz-Stein-Bauweise sowie verschiedene Öfen und Handwerkseinrichtungen. Ergänzt wird die Anlage durch die etwa 2,5 Hektar große Vorburg.

Die bisherigen Grabungen erbrachten einige Funde, die auf den sozialen Status der einstigen Bewohner hinweisen: neben Einzelfunden von sogenannten Barometerobjekten wie z. B. frühen Hufeisen oder Ofenkacheln, zeigt insbesondere das archäozoologische Material, welch hervorgehobene Stellung die Anlage innerhalb des Pfalzgebietes, aber auch überregional einnimmt. Der Nachweis von knapp 50 Wildtierarten und der enorm hohe Anteil von 13 % am gesamten Knochengewicht, zeugt von der großen Bedeutung der Jagd und des Forstes für das frühmittelalterliche Königtum. Die äußerst geringen Anteile von Rothirsch, Reh und Feldhase in den nahegelegenen und zum Güterkomplex gehörenden Siedlungen Brend(lorenzen) und Mühlstatt-Binsenhausen verweisen dagegen auf den eingeschränkten Zugriff der dortigen Bewohner auf Wildtiere.

Welche Rolle Handwerk und Gewerbe für die herrschaftliche Repräsentation spielten, beleuchten Hinweise auf Buntmetall-, Glas-, Bein- und Textilverarbeitung sowie Töpfereihandwerk auf dem Veitsberg. Einzelne Funde von Fensterglas, Putzfragmenten, frühen Ofenkacheln oder einer Säulenbasis zeigen, dass innerhalb der kastellförmigen Mauer eine repräsentative Architektur vorhanden gewesen sein muss.

Die bis 2013 geborgenen Funde sind chronologisch fast ausschließlich dem ausgehenden 8. Jahrhundert bis in die Zeit um 1000 zuzuordnen und auch die zahlreichen Radiokarbondatierungen machen ein Nutzungsende der kastellförmigen Anlage um 1000 wahrscheinlich.

Erst die Ausgrabungen 2021 und 2022 im Zentrum der Anlage lieferten Erkenntnisse zu einer hochmittelalterlichen Nachnutzung. Hier wird offensichtlich nach der Aufgabe der Königspfalz eine wesentlich kleinere Turmburg mit insgesamt 50 m Durchmessern errichtet – möglicherweise eine Interimslösung der Würzburger Bischöfe bis zur Fertigstellung der Salzburg.