„Lebendiges Geschichtsmodell Pfalzgebiet Salz – Land schafft Raum für Menschen“ – LEADER-Förderzusage

Das beim EU-Förderprogramm LEADER eingereichte Projekt verfolgt das Ziel, die historische Bedeutung und Dimension der karolingisch-ottonischen Königspfalz Salz als Keimzelle der regionalen Entwicklung vom Frühmittelalter bis heute in der Öffentlichkeit darzustellen und erlebbar zu machen. Dies geschieht anhand eines dreidimensionalen, digitalen Geländemodells, auf dem verschiedene, individuell auswählbare Projektionen die Entwicklung des ehemaligen Pfalzgebietes zum heutigen Großraum um Bad Neustadt zeigen (ein ähnliches Objekt steht im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, siehe: https://www.tamschick.com/projekte/zeitdynamisches-sachsenmodell/). Darstellbar sind z. B. die Themenbereiche Geologie, Hydrologie, Besiedlung/Bewaldung/Landnutzung vom Frühmittelalter bis heute, Archäologie, Altstraßen/Mobilität, Flora und Fauna usw. Die Projektionen werden modular aufgebaut, so dass sie erweiter- und veränderbar sind.

Dies ist zum einen notwendig, da die Untersuchungen im Pfalzgebiet, die die Grundlage des Geländemodells bilden, fortgeführt und daher beständig neue Forschungsergebnisse hinzukommen werden. Um eine pädagogische/touristische Inwertsetzung auch langfristig lebendig und interessant zu erhalten, werden auch weiterhin Forschungen und Untersuchungen im Pfalzgebiet stattfinden. Dies auch, zumal erst ein Bruchteil des Pfalzgebietes überhaupt erforscht ist. Die digitalen Projektionen bieten die Möglichkeit, die neuen Ergebnisse schnell und direkt zu präsentieren. Zum anderen bietet die modulare Herangehensweise auch die Möglichkeit, völlig andere Themen, die sich aus dem Zusammenspiel mit den Nutzergruppen ergeben, einzubauen. Dabei sind die verschiedensten Themen vorstellbar, die in weiteren Projektionen umgesetzt werden – je nach Beteiligung regionaler und lokaler Akteure und Institutionen. Dabei erfolgt die räumliche Verortung stets auf dem Geländemodell, weitere Informationsebenen sind dann auf den Touchscreens individuell abrufbar.

Das Geländemodell wird zunächst im Rahmen regelmäßiger Veranstaltungen für die Bevölkerung und Schulklassen in den Räumen des Alten Amtshauses in Bad Neustadt a.d. Saale zugänglich gemacht. Langfristig ist das Geländemodell essentieller Bestandteil des geplanten Museums in der Alten Amtskellerei in Bad Neustadt.

Am 6. November wurde nun im Sitzungssaal des Rathauses offiziell der LEADER-Förderbescheid über 200.000 Euro durch LEADER-Koordinator Wolfgang Fuchs an Bürgermeister Bruno Altrichter übergeben. Anwesend waren zudem die beiden Bürgermeister aus Hohenroth und Salz Georg Straub und Martin Schmitt, die sich an der Finanzierung der grundlegenden Untersuchungen beteiligen. Mit dem Schatzmeister Georg Straub, Regionalmanagerin Ursula Schneider, Geschäftsleiter der Stadt Michael Weiß und Projektleiterin Petra Wolters war der größte Teil der Mitwirkenden anwesend. Der LEADER-Antrag besteht aus drei Projektbestandteilen – vorbereitende Untersuchungen, deren Ergebnisse in das Geländemodell einfließen, das Geländemodell selbst und Öffentlichkeitsarbeit rund um das Geländemodell. Der Projektabschluss ist für Anfang 2022 geplant.

Schülerumfrage Museum

In Abstimmung mit den Schulleitern und dem Schulamt fand zwischen Anfang Mai und Ende Juli 2019 eine Umfrage zu einem geplanten Museum in der Alten Amtskellerei an allen Neustädter Schulen, der Grundschule Salz sowie der Edmund-Grom-Schule in Hohenroth statt. Die Teilnahme war freiwillig und anonym und wurde mit dem Programm grafstat durchgeführt, das die Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos zur Verfügung stellt.

Vor Beginn der eigentlichen Befragung wurden Probefragebögen an die jeweiligen Schulleiter bzw. Fachbetreuer gesendet, mit der Bitte um Verbesserungsvorschläge oder Korrekturen. Außerdem wurden die Fragen an „Testkindern“ ausprobiert. Es stellte sich schnell heraus, dass es sinnvollerweise zwei unterschiedliche Fragebögen geben sollte: einen etwas detaillierteren für ältere Schüler und einen kürzeren für die jüngeren Teilnehmer. Unter http://www.pfalz-salz.de/umfrage/juengere_schueler.htm und http://www.pfalz-salz.de/umfrage/aeltere_schueler.htm konnten die Fragen angesehen und direkt online beantwortet werden. Für einen Teil der Grundschüler wurden die Fragebögen in Papierform verteilt und später in das Statistikprogramm übertragen.

Insgesamt nahmen 726 Schüler an der Umfrage teil – eine erfreulich hohe Zahl. Am leichtesten zu begeistern waren die Grundschüler, von denen 424 Rückmeldungen (zumeist aus den 3. und 4. Klassen) kamen. Den aufwändigeren Fragebogen füllten 178 Jugendliche überwiegend des Gymnasiums und der Wirtschafts- und Realschule aus. Gerade die ältesten Schüler sind leider unterrepräsentiert, was den zeitgleich stattfindenden Abschlussprüfungen geschuldet sein dürfte. Die Geschlechterverteilung war in beiden Umfragen relativ ausgewogen.

Gefragt wurde zunächst nach historischen Grundkenntnissen, dann nach dem Interesse an verschiedenen Themenbereichen, nach der Art der didaktischen Aufbereitung und Darstellung in einer Ausstellung, nach dem Interesse an Mitmachangeboten und schließlich wurden noch einige persönlichen Angaben zu Alter, Geschlecht, Schulform und Museumsbesuchen abgefragt. Hinzu kamen einige offene Fragen, die freie Antworten zuließen.

Bei den Grundkenntnissen zeigte sich altersgemäß ein Wissensvorsprung bei den älteren Schülern, wobei die Tatsache, dass Karl der Große und zahlreiche andere Könige vor 1000 Jahren häufiger in der Gegend um Bad Neustadt zu Besuch waren, in allen Altersstufen weniger als 50 % der Teilnehmer bekannt war. Gedanklich wird die Vorstellung vom Mittelalter wiederum bei allen Altersgruppen gleich mit jeweils über 70 % von den Assoziationen „Könige und Königinnen“, „Burgen“ und „Arm und Reich“ beherrscht, während die Begriffspaare „Schrift und Bildung“ und „Kunst und Musik“ am seltensten gewählt wurden.

Erstaunlich und erfreulich hoch ist das Interesse an der Wissenschaft: wie Archäologen und ihre Nachbardisziplinen arbeiten und forschen wollen fast 80 % der jüngeren und immerhin 67 % der älteren Schüler wissen. Das Angebot selbst einmal als Archäologe zu arbeiten oder diese Forschungsmethoden auszuprobieren finden immerhin 74 (jüngere) bis 60 % aller Kinder und Jugendlichen ansprechend.

Tendenziell lässt sich feststellen, dass das Interesse an Mitmachangeboten bei jüngeren Schülern generell etwas höher ist, als bei älteren und bei Jungs niedriger als bei Mädchen. Von sieben verschiedenen Kursangeboten zu Tätigkeiten und Herstellungsverfahren des Mittelalters zeigten sich die älteren Schüler im Durchschnitt an 3,3 Kursen interessiert. Bei den jüngeren waren es fast 3,9. Bei beiden gleich fiel allerdings das Ranking bezüglich der Beliebtheit der verschiedenen Angebote aus. Mit ca. 75 % am meisten Interesse zeigten die Schüler am Kurs „Bogenschießen“, gefolgt von um die 60 % bei den Angeboten „Kochen“ und „Feuermachen“. Ein signifikanter Unterschied zeigte sich beim Kursvorschlag „Was haben Kinder gespielt?“: während sich nur knapp 50 % der älteren dafür interessierten, lag dieses Thema bei den jüngeren Schülern mit fast 68 % an zweiter Stelle.

Für die Planung der Ausstellung von großer Bedeutung sind die Fragen (Frage 7 und 8) zur Umsetzung und didaktischen Aufbereitung von Inhalten. Erfreulicherweise rangiert hier in allen Altersgruppen der Wunsch nach einer analogen Darstellungsform mit teilweise weit über 70 % mit Abstand an erster Stelle noch vor digitalen Medien.

Auch die Fragen zu einzelnen Themenvorschlägen für Sonderausstellungen, die nur die älteren Schüler beantworten sollten, zeigten bemerkenswerte Ergebnisse: Eindeutig als „eher spannend“ wurden die Themen „Bad Neustadt als Gesundheitszentrum: Von der ersten Apotheke zum Rhön-Klinikum“, „Industrialisierung – Entstehung und Entwicklung Neustädter Firmen (Siemens, Preh, Jopp, Kunert…)“, „Dreißigjähriger Krieg“ und „Nationalsozialismus in Bad Neustadt und der Region“ betrachtet. Deutlich mehr als 50 % der Schüler erachteten hingegen Themen wie „Bad Neustadt im Spätmittelalter – Amtsstadt im Bistum Würzburg“, „Die jüdische Gemeinde von Bad Neustadt“ oder auch „Klostergeschichte Bildhausen, Wechterswinkel, Karmelittenkloster“ als eher uninteressant.

Bei den freien Fragen zu Interessen und Wünschen liegt das Thema „Ritter“ an erster Stelle, gefolgt von allem was mit Waffen/Kämpfen/Krieg zu tun hat. In eine ähnliche Richtung geht auch das sehr häufig genannte Thema Krankheiten/Pest/Gesundheit. Der Wunsch „Mitmachsachen/Experimente“ wurde zusammen mit „freier Eintritt für Kinder/spezielle Tage/Jahreskarte“ am häufigsten geäußert. Fünfmal wurde von den älteren Schülern der Hinweis gegeben, dass ein Museum langweilig sei und darum darauf verzichtet werden sollte.

Durch die Umfrage lassen sich nun viele offene Fragen bezüglich der Herangehensweise an die Ausstellungskonzeption aber auch die in Frage kommenden Themen näher eingrenzen und konkretisieren.

Über die positive Resonanz und Mitarbeit bei Schulamt, Schulleitern, Lehrern und natürlich den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern haben wir uns sehr gefreut und möchten uns noch einmal ausdrücklich dafür bedanken!

Befunde anders sehen. Suszeptibilitätsmessungen als objektive Befunderkennung

Ein Gastbeitrag vom Tübinger Studenten Johannes Reller

Interessierte Besucher einer archäologischen Grabung fragen regelmäßig, weshalb man denn genau hier grabe und was genau gegraben werde. Meistens wird dann in der Erklärung weit ausgeholt: Es wird versucht zu erklären, dass die graueren, schwärzeren und/oder steinloseren Bereiche im Vergleich zum umgebenden Boden vermutlich Befunde sind. Dabei handelt es sich meisten um verfüllte Überreste von Grubenhäusern, Pfosten-, Speicher- oder Abfallgruben. Diese werden dann zur Bestätigung im Planum geputzt, um die Befundgrenzen erkennen zu können, und geschnitten, also halbiert und eine der beiden Seiten ausgegraben, damit das Profil dokumentiert werden kann. Sowohl im Planum, als auch im Profil werden die Form der Grube, die Verfüllrichtungen und die innere Organisation dokumentiert und beschrieben.

Manchmal haben aber auch erfahrene Archäologen Probleme, Befunde zu erkennen und von ihrer Umgebung abzugrenzen. Zusätzlich sind das Erkennen und Beschreiben der Befunde auch subjektiv –die Grenzen und besonders die Färbungen können unterschiedlich wahrgenommen werden. Ein Hilfsmittel zum objektiven Erkennen und Beschreiben von Befunden ist die Suszeptibilitätsmessung.

Im Grunde handelt es sich um einen Metalldetektor, der so fein eingestellt ist, dass damit die Magnetisierbarkeit einer Substanz (hier: das Sediment/der Boden innerhalb und außerhalb des Befundes) in einem schwachen Magnetfeld – wie zum Beispiel das der Erde – gemessen werden kann (Dalan 2017).

Weshalb sollte aber die Magnetisierbarkeit des Sediments in der Archäologie Aussagen treffen können – nicht in jedem Befund ist Eisen oder Metall enthalten?

Die Suszeptibilitätsmessung nutz der Archäologie, weil durch den Menschen beeinflusste (anthropogene) Sedimente einen hohen Anteil organischem Material sowie Brandspuren und Feuerstellen aufweisen. Durch organische oder chemische Zersetzungsprozesse oder durch Hitzeeinwirkungen, die unter anderem anthropogene Ursachen haben können, werden diese eher schwach magnetisierbaren Böden magnetisch verstärkt. Die Messergebnisse dieser Sedimente stehen im Kontrast zum geologisch gewachsenen Boden.

Durch das Messen einer Fläche in einem vorher festgelegten Raster, können die Messergebnisse kartiert werden, wodurch sich Befundgrenzen abzeichnen. Auch innerhalb des Befundes sind Unterschiede in der Magnetisierbarkeit möglich, die auf die Struktur innerhalb des Befundes Rückschlüsse zulassen.

Während der diesjährigen Grabung „Mühlstatt 2019“ bei Salz wurde die Suszeptibilitätsmessung ausprobiert. Dabei wurde aber nicht die gesamte Fläche gemessen, sondern nur der Bereich des gegrabenen Grubenhauses. In allen Plana des Grubenhauses wurden die Suszeptibilität des Sedimentes gemessen. Dafür wurde ein 30 cm-Raster über das Grubenhaus gelegt, an dessen Schnittpunkten jeweils eine Messung durchgeführt wurde. Dieses Raster wurde in den Plana beibehalten, um die Ergebnisse der Messungen auch zwischen den einzelnen Plana vergleichen zu können. Des Weiteren wurden auch die Profile in einem 30 cm-Raster gemessen, um die Verfüllungsschichten zu erfassen (vgl. Fassbinder 2017).

Ziel war es eine objektive/weitere Beschreibung und Art der Dokumentation des Befundes zu erhalten und die Ergebnisse dieser Messungen in die vor einigen Jahren durchgeführte geomagnetische Untersuchung (Suszeptibilität im großen Stil) des gesamten Siedlungsbereiches Mühlstatt einzuhängen, weil sich dadurch eine Verbesserung der Aussagekraft erhofft wird. Zudem sollte getestet werde, ob diese Untersuchungsmethode Ergebnisse liefert.

Es scheint so zu sein, dass die Messungen im Bereich des Grubenhauses funktioniert haben. Entlang dessen Befundgrenzen wurden regelmäßig Werte gemessen, die auf eine gute Magnetisierbarkeit schließen lassen. Bei der späteren Ausgrabung der Befunde konnten genau in diesen Bereichen sehr hohe Organik-Konzentrationen dokumentiert werden, die eventuell Reste hölzerner Einbauten gewesen sein könnten. Insgesamt waren die Ergebnisse aber sehr inhomogen, was vermutlich auf die Heterogenität des geologisch gewachsenen Bodens und der Verfüllungen zurückzuführen ist.

Literatur

  • Dalan 2017: R. A. Dalan, Susceptibility. In: S. Allan (Hrsg.), Encyclopedia of Geoarchaeology, Encyclopediea of Earth Sciences Series 7 (Dordrecht 2017), 939-943.
  • Fassbinder 2017: J. W. E. Fassbinder, Magnetische Eigenschaften der archäologischen Schichten von Qantir, Nile Delta, Egypt. In: E. B. Pusch/ H. Becker (Hrsg), Fenster der Vergangenheit. Einblicke in die Struktur der Ramses-Stadt durch magnetische Prospektion und Grabung, Forschungen in der Ramses-Stadt 9 (Hildesheim 2014) 329-349.
Das nur sehr schwach erkennbare Grubenhaus in Planum 1. In einem 30 cm Raster wurden in diesem Bereich Suszeptibilitätsmessungen durchgeführt, um den Befund abzusichern.
Das Kappameter, mit dem die Suszeptibilitätsmessungen durchgeführt wurden.

Woher weiß man, wo man nach Anzeichen menschlichen Lebens suchen und graben muss?

Ein Gastbeitrag von der Studentin Charlott Biesenthal

Es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten wie man herausfinden kann, wo eine Grabung einen wissenschaftlichen Nutzen erbringen kann. Auch können sich diese je nach Zeitepoche, welche man untersuchen möchte, unterscheiden.

Im Fall der Pfalz Salz gaben anfangs mittelalterliche Schriften Aufschluss darüber, dass in diesem Gebiet Karl der Große seine Residenz gehabt hat. Daraufhin wurden Luftbildaufnahmen des Gebietes, dazu gehört unter anderem der Veitsberg und die Flur Mühlstatt, betrachtet und auf Bewuchsmerkmale untersucht.

Bei Bewuchsmerkmalen auf einem Acker unterscheidet man zwischen zwei Arten: positiven und negativen, die sich dunkler und heller abzeichnen. Positive zeichnen sich durch größere und stärkere Pflanzen aus. Dies kommt deshalb zustande, weil sich im Boden unter den Pflanzen mehr Mineralien und weniger Steine befinden. Grund dafür können wieder verfüllte Gräben oder Gruben früherer Siedlungen oder andere eingetiefte Bestandteile sein. Negative Bewuchsmerkmale zeichnen sich, im Gegensatz zu den positiven, durch kleinere und schwächere Pflanzen aus. Grund hierfür ist meist ein ungeeigneter, möglicherweise sehr steiniger oder mit einer festgetretenen Erdschicht durchgezogener Boden. Dies kann beispielsweise durch einen ehemaligen festgetretenen Weg oder eine verschüttete Mauer hervorgerufen werden. Mithilfe dieser Merkmale konnte man einige wichtige Bestandteile der Steinbebauung auf dem Veitsberg und der dazugehörigen Handwerkersiedlung, in der im August 2019 gegraben wurde, erkennen.

Nach der Auswertung der Bewuchsmerkmale wurde eine sogenannte Feldbegehung durchgeführt. Dabei wurden auf der Oberfläche der entdeckten Fundstelle sogenannte Lesefunde, beispielsweise Keramik und Metallgegenstände, eingemessen und eingesammelt.

Neben dieser Feldbegehung wurde eine geomagnetische Prospektion durchgeführt. Hierzu wird ein Gerät hinzugezogen, das Änderungen des Magnetfeldes aufzeichnet, die durch archäologische oder geologische Strukturen im Boden hervorgerufen werden. Das Ergebnis dieser Messung ist meist eine Karte in unterschiedlichen Graustufen, welche diese archäologischen Strukturen abbilden. Als dann auch noch die bürokratischen Hürden genommen waren, konnte die Grabung durchgeführt werden.

Positive Bewuchsmerkmale in der Flur Mühlstatt ((c) K. Leidorf; Umzeichnung A. Wunschel) .
Magnetogramm vom Veitsberg. Deutlich sind die zahlreichen Gräben und Gruben erkennbar ((c) J. Fassbinder).

Punktlandung – Grabungsende der diesjährigen Untersuchung

In der letzten Grabungswoche wurde endlich die Sohle des Grubenhauses erreicht, in dem zahlreiches Fundmaterial lag, unter anderem auch eine kleine Emailscheibenfibel. Pünktlich zum Feierabend am Donnerstag den 29.08.2019 konnte die Grabungsdokumentation abgeschlossen, die letzten Bodenproben genommen und das Werkzeug für den Abtransport zusammengepackt werden.

Die zwei nicht ausgegrabenen Quadranten und die übrigen Befunde, die nicht ausgegraben worden sind, wurden mit einer schützenden Schicht Stroh abgedeckt, die gleichzeitig bei potentiellen künftigen Untersuchungen das Wiederauffinden erleichtert.

Am Freitag holten die Bauhöfe von Salz/Hohenroth und Bad Neustadt das Grabungsmaterial und die Container ab, die Grabungsfläche wird in den nächsten Tagen wieder mit dem Bagger verfüllt werden und dann sieht alles wieder aus, als wäre nie etwas gewesen.

Wie schon bei den Grabungen auf dem Veitsberg standen die Gemeinden Salz und Hohenroth und die Stadt Bad Neustadt den Ausgräbern mit Rat und Tat zur Seite. Das Grabungsteam hat sich wieder sehr wohl und willkommen gefühlt und möchte sich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken – auch bei allen Besuchern, die sich vor Ort informiert haben.

Bis nächstes Jahr – wir kommen wieder!    

Zwei Pfostenlöcher in der Sohle des Grubenhauses.
Die Kontur des Grubenhauses zeichnet sich im Profil deutlich ab. Am linken Bildrand unten eine Pfostengrube.
Die Dokumentationsarbeiten sind im vollem Gange.
Während noch die letzten Bodenproben genommen werden, wird der Befund zum Schutz mit Stroh abgedeckt.

Ferienspaß bei den Archäologen

Am letzten Freitag, dem 23.08.2019, besuchte eine elfköpfige Gruppe im Zuge des Ferienfiebers die laufende Ausgrabung in der Flur Mühlstatt. Sie erfuhren, was überhaupt eine Königspfalz ist, wie groß das gesamte Pfalzgebiet einmal war, welche Plätze archäologisch und historisch bekannt sind und welche Rolle die Siedlungswüstung in der Flur Mühlstatt für den König spielte.  Außerdem wurden Methoden der Feldarchäologie erklärt, die dann sogleich auch in der Praxis ausprobiert werden durften.

Begleitet von den studentischen Mitarbeitern, durften die Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren einen Befund putzen, zeichnen, nivellieren, beschreiben, fotografieren und schlussendlich ausnehmen und die Funde einsammeln.

Um 12.00 Uhr gab es eine kleine Stärkung für alle. Mit einer Begutachtung der Dokumentationen und der Funde wurde die kleine Lehrstunde in Archäologie abgeschlossen. Manch einer konnte dann noch einen „Schatz“ in Form eines Kinderriegels mit der Metallsonde im Abraum entdecken.

Großer Andrang bei schlechtem Wetter

Trotz des schlechten Wetters kamen rund 100 Besucher zu den öffentlichen Grabungsführungen bei der aktuellen Ausgrabung in der frühmittelalterlichen Handwerkersiedlung in der Flur Mühlstatt.

Nach einer historischen Einführung zum Pfalzgebiet wurden die teilweise nur schwer erkennbaren Befunde in der Fläche gezeigt und die Vorgehensweise archäologischer Ausgrabungen erläutert.

Die Präsentation einiger Funde und deren Datierung rundete die Führungen ab.

Das Grabungsteam freute sich über die vielen Fragen von Groß und Klein und das Interesse der zahlreichen Besucher!

Ins Schwarze getroffen

Am 5. August eröffneten Petra Wolters und Lukas Werther mit 6 Studenten die diesjährige Grabungskampagne. Nachdem die nach den Luftbildern geplante Untersuchungsfläche im Feld abgesteckt war, kam am Dienstag der Bagger der Bauhofgemeinschaft Brend-Saale und befreite die Fläche vom Humus.

Exakt wie im Luftbild erkennbar, zeigten sich nach dem Planumsputz die Umrisse dreier Grubenhäuser als graubraune Flecken. Das östliche, in der Mitte der Fläche gelegene, wird nun in den kommenden Wochen untersucht.

Die Baggerarbeiten haben begonnen und der Abraum wird nach Fundmaterial durchsucht.
Die Umrisse der drei Grubenhäuser zeichnen sich etwas dunkler als Bewuchsmerkmal im Getreide ab.
Etwas dunkler und leicht grau zeichnet sich das annähernd quadratische Grubenhaus mit einer Größe von ca. 4 x 3,70 m ab.

Back on Dreck – die archäologischen Grabungen gehen endlich weiter!

Nach mehr als 4 Jahren, können wir endlich wieder im Pfalzgebiet gegraben. Für dieses Jahr ist eine Untersuchung in der wüstgefallenen Handwerkersiedlung „Mühlstatt“ an der Saale geplant, deren Wurzeln nach bisherigen Erkenntnissen bereits im 6./7. Jahrhundert liegen.

Die Wüstung umfasst zahlreiche, aus Luftbildern und geophysikalischen Untersuchungen bekannte Grubenhäuser. Kleinere Sondagen erbrachten Hinweise auf vielfältige handwerkliche Tätigkeiten. Da die Siedlung nie überbaut wurde, ist die Erhaltung der Befunde besonders gut. Ziel der Untersuchungen ist es, ein Grubenhaus nach modernsten archäologischen Standards zu ergraben und zu dokumentieren und dabei wesentliche Fragen zur Chronologie und Funktion des Fundplatzes zu klären.

Die Forschungen finden als Lehrgrabung mit Studenten der Uni Jena und der Uni Tübingen in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege im Zeitraum vom 5. bis 30. August 2019 statt.

Lage der Untersuchungsfläche in der Flur Mühlstatt mit eingezeichneten Luftbildbefunden.

Alte Amtskellerei – Vom mittelalterlichen Finanzamt zum modernen Kulturzentrum

In der Sitzung vom 02.05.2018 beschloss der Stadtrat einstimmig, einen Architekturwettbewerb auszuschreiben, der die Umnutzung des seit Jahren größtenteils leer stehenden Gebäudes in der Altstadt zum Ziel hat.

Die Alte Amtskellerei war einst Sitz der bischöflichen Beamten, die dort Abgaben und Steuern, insgesamt die Finanzen des Ortes für ihren Landesherren verwalteten. Der älteste Gebäudeteil, das sogenannte Hohe Haus, ist durch Schriftquellen und dendrochronologisch in die Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Größere Umbauten erfolgten im Jahr 1570, wovon auch eine Inschrift zeugt. Als jüngster Teil ist der Querriegel der Dreiflügelanlage in seiner jetzigen Form anzusprechen, der allerdings wie der Südwestflügel auch, ursprünglich im frühen 17. Jahrhundert entstanden sein dürfte. Ab 1817 bis 1996 wurde das Gebäude als Gefängnis genutzt, wodurch sich das Erscheinungsbild des Baukörpers grundlegend veränderte. 2016 kaufte die Stadt Bad Neustadt dieses älteste Anwesen im Ort, um es einer öffentlichen Nutzung zuzuführen.

Zur Erarbeitung eines Konzepts wurde eine Steuerungsgruppe mit Vertretern der Fraktionen sowie der Verwaltung gebildet. Diese hat sich seit November 2018 intensiv mit den verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten befasst. Dabei haben sich die inhaltlichen Schwerpunkte Museum und Stadtbibliothek herauskristallisiert, die durch eine multifunktionale Kommunikationszone (Foyer/Café/Veranstaltungsräume) miteinander verbunden sein sollen. Um diese verschiedenen Nutzungen in dem stark überformten und denkmalgeschützten Gebäude zu integrieren, bedarf es einer innovativen planerischen Idee, weshalb ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden soll. Die Wettbewerbsausschreibung wird durch das das Büro Holl Wieden Partnerschaft, Stadtplaner und Architekten aus Würzburg begleitet. Rund 1700 qm Nutzfläche sind zu überplanen, wovon 650 qm für die Ausstellungen, 500 qm für die Bibliothek, 140 qm für die zentrale Kommunikationszone und weitere 120 qm für die Multifunktionsräume vorgesehen sind.

Claudia Scheler, Diplom Bibliothekarin und Leiterin der Stadtbibliothek präsentierte ihren Konzeptentwurf für eine neue Stadtbibliothek. Sie definierte eine Bibliothek  von Klein bis Groß mit dem Leitbild „Bildung und Kultur –moderne, digitale integrative Stadtbibliothek“. Anschließend stellte sie die daraus definierten Stärken der neuen Stadtbibliothek heraus: individuell ausgewähltes Medienangebot, qualitativ hochwertige Leseförderung, Bereitstellung von digitalen Medien rund um die Uhr, Vermittlung weiterführender Medienkompetenzen, zielgruppengerechte Veranstaltungen und Treffpunkt für Jedermann. Des Weiteren sollen Lese- und Studierplätze in das Konzept integriert werden.

Petra Wolters, Archäologin und Museologin, stellte die Museumsinhalte vor, wie sie sich in der Steuerungsgruppe herauskristallisiert hatten. Ausgehend vom Sammlungsbestand der Stadt Bad Neustadt, können zwei große Themenbereiche in der Dauerausstellung dargestellt werden – die frühmittelalterliche Königspfalz Salz und die jüngere Stadtgeschichte vom 13. Jahrhundert bis heute. Durch Wechselausstellungen zu verschiedensten Themen, die sich aus Bürgerwünschen, Spezialsammlungen oder -themen generieren können, wird das Ausstellungsangebot ergänzt. Eine Schülerumfrage quer durch alle Klassenstufen, bei der Kenntnisse, Interessen, Erwartungen und Ideen bezüglich solch einer Ausstellung in Erfahrung gebracht werden sollen, läuft momentan.

Am Tag des offenen Denkmals, den 8. September 2019, wird die Alte Amtskellerei allen interessierten Bürgen offenstehen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an claudia.scheler@bad-neustadt.de oder petra.wolters@bad-neustadt.de

Das sogenannte Hohe Haus, der älteste Teil des Alten Würzburger Amtskellers aus dem 14. Jahrhundert, überragt die übrigen Dächer Bad Neustadts bei Weitem. Aus dem wehrhaften Ausbau dieses bischöflichen Anwesens resultiert der Name „Fronhof“. Aufnahme Ende der 1970er Jahre (© Stadtarchiv Bad Neustadt a.d. Saale).