Historische Flurnamen im Umfeld von Salz

Archäologische Forschung im Home-Office

Auch wenn in diesem Jahr die geplanten und bereits genehmigten archäologischen Ausgrabungen auf dem Veitsberg wie so vieles andere nicht stattfinden konnten, gingen die Forschungen rund um die Pfalz Salz dennoch quasi im Home-Office weiter. Denn die Arbeiten an archäologischen Fundkomplexen enden nicht mit dem Abschluss der Grabungen, sondern verlagern sich vom Acker an den Schreibtisch und in die Labore.

So konnte noch einiges an Wissen im Zusammenhang mit der letztjährigen Grabung in der frühmittelalterlichen Siedlungswüstung Mühlstatt erarbeitet werden. Dort untersuchten im letzten August Studenten der Universitäten Tübingen und Jena ein Grubenhaus und weitere Befunde. Im Nachgang wurden nun die geborgenen Funde und Proben genauer analysiert.

Schon die genauere Betrachtung der Funde führte zu der Vermutung, dass es sich bei dem Grubenhaus um ein vergleichsweise „junges“ Gebäude handeln müsste. Konkret waren es fehlende Zierelemente wie Wellenbänder und –linien auf den Keramikscherben und einige ins Hochmittelalter weisende Randformen, die darauf hindeuteten. Die nun frisch vorliegenden 14C-Datierungen untermauern diese Annahme, da sie ein Zeitfenster vom ausgehenden 10. Jahrhundert bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts für die Aufgabe dieses Befundes lieferten.

Diese Datierungen bestätigen wiederum die Vermutung, dass sich das Siedlungsareal der frühmittelalterlichen Handwerkersiedlung Mühlstatt im Laufe der Jahrhunderte von der Saale wegbewegte, vermutlich nicht zuletzt, weil die Saaleaue immer weniger hochwassersicher war. Während die bislang bekannten Grubenhäuser direkt am Fluss und eher im Südwesten in das beginnende 8. bis 10. Jahrhundert datiert werden konnten, liegt mit dem neuen Grubenhaus ein Befund vor, der bereits in die Zeit nach der Aufgabe der Königspfalz einzuordnen ist. Ein möglicher weiterer Hinweis auf diese jüngere Zeitstufe liegt mit dem Fehlen handwerklicher Produktionsreste bzw. –mittel vor. Während die Grubenhäuser am Fluss ein reiches Inventar solcher Objekte lieferten – Bleibarren, Spinnwirtel, Webgewichte, Metallschlacken – fand sich im Grabungsareal 2019 kein Fund, der in diese Richtung weisen könnte. Eine Erklärung hierfür ist vermutlich in den veränderten Wirtschaftsstrukturen und –bedarfen zu suchen, die mit der Zerschlagung der Pfalz einhergingen.

Schon die historischen Flurnamen geben Hinweise auf die Binnentopographie des ehemaligen Siedlungsgebietes südwestlich von Salz (vgl. Abbildung). Hier, am nordöstlichen Ende der Wüstung Mühlstatt, wird der Übergangsbereich zur 1328/1336 in den historischen Quellen genannten Siedlung »Bitzenhausen/Bincenhusen« angenommen, was durch die die Datierung des Grubenhauses bekräftigt wird.

Auch einige der während der Grabung entnommenen Bodenproben wurden mittlerweile archäobotanisch untersucht. Sie belegen, dass die Bewohner auf ein breites Nahrungsmittelspektrum zurückgreifen konnten. Neben verschiedenen Getreidesorten wie Hafen, Roggen, Weizen, Hirse Emmer und Einkorn, konnten auch Linse und Erbse nachgewiesen werden. Als Besonderheit fanden sich Samen der Feige, die getrocknet leicht transportiert und als Luxusgut importiert werden konnten. Einmal mehr zeigt sich hier die Anbindung an ausgedehnte und überregionale Distributionsnetzwerke des Neustädter Beckens ab dem Frühen Mittelalter.

Da kräht ein Hahn danach: Hühnerhaltung im Pfalzgebiet

Gerade hatte das Pfalzprojekt Salz mit dem Entscheid des Architekturwettbewerbes und der Planung für eine neue Grabung auf dem Veitsberg Fahrt aufgenommen. Wie so vieles andere, wurde aber auch unsere Arbeit von Corona ausgebremst.

Geplante Geländebegehungen mussten entfallen, wichtige Treffen können momentan nicht stattfinden. Aber die Hintergrundarbeiten laufen weiter und manches, was lange liegen blieb, kann nun aufgearbeitet werden.

Darum gibt es heute unter der Rubrik „Aktuelles“ einen kleinen Einblick in einen wichtigen Teil der langjährigen archäologischen Forschungsarbeiten, die grundlegend für die Ausstellungskonzeption sind.

Passend zu Ostern widmen wir uns dem Thema Eier. Was das mit der frühmittelalterlichen Königspfalz zu tun hat? Viel! Durch die archäozoologischen Auswertungen der Knochenfunde vom Veitsberg und den Siedlungen in der Flur Mühlstatt und Brendlorenzen, können wir einiges über die Lebensgewohnheiten der ehemaligen Bewohner lernen.

Zum Beispiel unterscheidet sich die Anzahl der Hühnerknochen in den drei frühmittelalterlichen Fundstellen deutlich. Während in den Siedlungen der Anteil der Hühner bei 1 bis maximal 3 % liegt, kommt der Veitsberg auf immerhin 5,5 %, was absolut betrachtet 210 einzelnen Knochen entspricht.

Aufschlussreich ist vor allem die weitere Aufschlüsselung nach Alter und Geschlecht. Das Geschlecht kann beim Huhn vor allem über die Kalkablagerungen in den Röhrenknochen bestimmt werden. Nur weibliche Tiere lagern dort Kalk für die Eiablage an. Einen Sporn am Sprunggelenk (Tarsometatarsus) besitzen dagegen in der Regel nur Hähne.

82% der Knochen vom Veitsberg stammen von ausgewachsenen Tieren. Die Geschlechterrelation von Hähnen zu Hennen liegt bei etwa 1:6. Das Vorkommen vor allem adulter Hühner zusammen mit dem hohen Anteil weiblicher Tiere spricht für eine Haltung der Hühner vor allem zur Eiergewinnung.

Der Verzehr von Eiern und Geflügel wie beispielsweise Kapaune – das sind gemästete und kastrierte Hähne – war im Mittelalter überwiegend dem Adel vorbehalten. Die im Durchschnitt weniger häufigen Hühnerknochenfunde in den ländlichen Siedlungen könnten darauf hindeuten, dass Geflügel entweder als leicht transportierbares Handelsgut verkauft oder als Abgabeleistung vom Hof gingen.

Schon im capitulare de villis, einer Landgüterverordnung Karls des Großen, wird gefordert, dass Zinshühner und Zinseier von Bediensteten und Hufenbauern eingetrieben werden und dass die Amtmänner für genügend Eier und ausreichenden Hühnerbesatz Sorge tragen müssen.

Sicherlich konnte Ludwig der III., als er 878 die Osterfeiertage in Salz verbrachte, auf einen Vorrat frischer Eier zurückgreifen.

In diesem Sinne: frohe Ostern!  

Alte Amtskellerei

Umbau der alten Amtskellerei – Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse

Im Mai 2019 beschloss der Stadtrat von Bad Neustadt a.d. Saale einen Architekturwettbewerb für den Umbau der Alten Amtskellerei, dem sogenannten Fronhof, zu einem kulturellen Zentrum durchzuführen.

Insgesamt waren 20 Architekturbüros eingeladen, Ihre Ideen zur Realisierung dieses Vorhabens vorzustellen.

Vom 16. – 22.01.2020 können die Ergebnisse des Wettbewerbs im Alten Amtshaus, Hohnstraße 37 in Bad Neustadt a. d. Saale, besichtigt werden.

Architekturwettbewerb Ausstellung
Ausstellung Ergebnisse Architekturwettbewerb
Scheibenfibel aus dem Grubenhaus in der Flur Mühlstatt

Festliche Fibelfreude!

Bei der diesjährigen Grabungskampagne in der Flur Mühlstatt wurde im Grubenhaus eine Emailscheibenfibel des 9./10. Jahrhunderts geborgen.

Fibeln dienten im frühen Mittelalter als dekorative Gewandschließe, die die Funktion einer Sicherheitsnadel erfüllten. Die Vorderseite ist mit beigem und grünlichem Email verziert, auf der Rückseite befindet sich der Nadelhalter. Das runde Objekt besitzt einen Durchmesser von nur einem Zentimeter.

Für die Herstellung solcher Fibeln, wurde zunächst die Metallform hergestellt, bevor verschiedenfarbiges Glasgranulat eingebracht und wiederum geschmolzen wurde.

Möglicherweise ist die Fibel ein Produkt der in der Flur Mühlstatt ansässigen Handwerker, die nach den archäologischen Funden zahlreiche Produkte wie Buntmetall, Knochen und Geweih, Eisen oder Blei verarbeiteten.

Das verschmutze und korrodierte Fundstück wurde sofort nach seiner Entdeckung in die Restaurierungswerkstatt des Seminars für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie an der Universität Jena gebracht. Dort erfolgte durch die Diplomrestauratorin Ivonne Przemuß eine mechanische Freilegung der Metalloberflächen mittels Glasfaserradierer und Skalpell, partiell mittels Strahlen mit Glaskügelchen, die Reinigung der Glasoberflächen mit Wasser/Ethanol und Wattestäbchen. Einige wenige ausgebrochene Glasfragmente wurden geklebt und die Metalloberflächen mit Paraloid B72 konserviert. Kurz vor Weihnachten konnte das Schmuckstück mitsamt aller übrigen Metallfunde die Werkstatt wieder verlassen.

Zustand der Fibel bei der Auffindung im August 2019.
Zustand der Emailscheibenfibel bei der Auffindung im August 2019 (Foto: I. Przemuß).
Königspfalz Salz - Gesamtausdehnung des Pfalzgebietes

„Lebendiges Geschichtsmodell Pfalzgebiet Salz – Land schafft Raum für Menschen“ – LEADER-Förderzusage

Das beim EU-Förderprogramm LEADER eingereichte Projekt verfolgt das Ziel, die historische Bedeutung und Dimension der karolingisch-ottonischen Königspfalz Salz als Keimzelle der regionalen Entwicklung vom Frühmittelalter bis heute in der Öffentlichkeit darzustellen und erlebbar zu machen. Dies geschieht anhand eines dreidimensionalen, digitalen Geländemodells, auf dem verschiedene, individuell auswählbare Projektionen die Entwicklung des ehemaligen Pfalzgebietes zum heutigen Großraum um Bad Neustadt zeigen (ein ähnliches Objekt steht im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, siehe: https://www.tamschick.com/projekte/zeitdynamisches-sachsenmodell/). Darstellbar sind z. B. die Themenbereiche Geologie, Hydrologie, Besiedlung/Bewaldung/Landnutzung vom Frühmittelalter bis heute, Archäologie, Altstraßen/Mobilität, Flora und Fauna usw. Die Projektionen werden modular aufgebaut, so dass sie erweiter- und veränderbar sind.

Dies ist zum einen notwendig, da die Untersuchungen im Pfalzgebiet, die die Grundlage des Geländemodells bilden, fortgeführt und daher beständig neue Forschungsergebnisse hinzukommen werden. Um eine pädagogische/touristische Inwertsetzung auch langfristig lebendig und interessant zu erhalten, werden auch weiterhin Forschungen und Untersuchungen im Pfalzgebiet stattfinden. Dies auch, zumal erst ein Bruchteil des Pfalzgebietes überhaupt erforscht ist. Die digitalen Projektionen bieten die Möglichkeit, die neuen Ergebnisse schnell und direkt zu präsentieren. Zum anderen bietet die modulare Herangehensweise auch die Möglichkeit, völlig andere Themen, die sich aus dem Zusammenspiel mit den Nutzergruppen ergeben, einzubauen. Dabei sind die verschiedensten Themen vorstellbar, die in weiteren Projektionen umgesetzt werden – je nach Beteiligung regionaler und lokaler Akteure und Institutionen. Dabei erfolgt die räumliche Verortung stets auf dem Geländemodell, weitere Informationsebenen sind dann auf den Touchscreens individuell abrufbar.

Das Geländemodell wird zunächst im Rahmen regelmäßiger Veranstaltungen für die Bevölkerung und Schulklassen in den Räumen des Alten Amtshauses in Bad Neustadt a.d. Saale zugänglich gemacht. Langfristig ist das Geländemodell essentieller Bestandteil des geplanten Museums in der Alten Amtskellerei in Bad Neustadt.

Am 6. November wurde nun im Sitzungssaal des Rathauses offiziell der LEADER-Förderbescheid über 200.000 Euro durch LEADER-Koordinator Wolfgang Fuchs an Bürgermeister Bruno Altrichter übergeben. Anwesend waren zudem die beiden Bürgermeister aus Hohenroth und Salz Georg Straub und Martin Schmitt, die sich an der Finanzierung der grundlegenden Untersuchungen beteiligen. Mit dem Schatzmeister Georg Straub, Regionalmanagerin Ursula Schneider, Geschäftsleiter der Stadt Michael Weiß und Projektleiterin Petra Wolters war der größte Teil der Mitwirkenden anwesend. Der LEADER-Antrag besteht aus drei Projektbestandteilen – vorbereitende Untersuchungen, deren Ergebnisse in das Geländemodell einfließen, das Geländemodell selbst und Öffentlichkeitsarbeit rund um das Geländemodell. Der Projektabschluss ist für Anfang 2022 geplant.

Umfragebogen zum Museum

Schülerumfrage Museum

In Abstimmung mit den Schulleitern und dem Schulamt fand zwischen Anfang Mai und Ende Juli 2019 eine Umfrage zu einem geplanten Museum in der Alten Amtskellerei an allen Neustädter Schulen, der Grundschule Salz sowie der Edmund-Grom-Schule in Hohenroth statt. Die Teilnahme war freiwillig und anonym und wurde mit dem Programm grafstat durchgeführt, das die Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos zur Verfügung stellt.

Vor Beginn der eigentlichen Befragung wurden Probefragebögen an die jeweiligen Schulleiter bzw. Fachbetreuer gesendet, mit der Bitte um Verbesserungsvorschläge oder Korrekturen. Außerdem wurden die Fragen an „Testkindern“ ausprobiert. Es stellte sich schnell heraus, dass es sinnvollerweise zwei unterschiedliche Fragebögen geben sollte: einen etwas detaillierteren für ältere Schüler und einen kürzeren für die jüngeren Teilnehmer. Unter http://www.pfalz-salz.de/umfrage/juengere_schueler.htm und http://www.pfalz-salz.de/umfrage/aeltere_schueler.htm konnten die Fragen angesehen und direkt online beantwortet werden. Für einen Teil der Grundschüler wurden die Fragebögen in Papierform verteilt und später in das Statistikprogramm übertragen.

Insgesamt nahmen 726 Schüler an der Umfrage teil – eine erfreulich hohe Zahl. Am leichtesten zu begeistern waren die Grundschüler, von denen 424 Rückmeldungen (zumeist aus den 3. und 4. Klassen) kamen. Den aufwändigeren Fragebogen füllten 178 Jugendliche überwiegend des Gymnasiums und der Wirtschafts- und Realschule aus. Gerade die ältesten Schüler sind leider unterrepräsentiert, was den zeitgleich stattfindenden Abschlussprüfungen geschuldet sein dürfte. Die Geschlechterverteilung war in beiden Umfragen relativ ausgewogen.

Gefragt wurde zunächst nach historischen Grundkenntnissen, dann nach dem Interesse an verschiedenen Themenbereichen, nach der Art der didaktischen Aufbereitung und Darstellung in einer Ausstellung, nach dem Interesse an Mitmachangeboten und schließlich wurden noch einige persönlichen Angaben zu Alter, Geschlecht, Schulform und Museumsbesuchen abgefragt. Hinzu kamen einige offene Fragen, die freie Antworten zuließen.

Bei den Grundkenntnissen zeigte sich altersgemäß ein Wissensvorsprung bei den älteren Schülern, wobei die Tatsache, dass Karl der Große und zahlreiche andere Könige vor 1000 Jahren häufiger in der Gegend um Bad Neustadt zu Besuch waren, in allen Altersstufen weniger als 50 % der Teilnehmer bekannt war. Gedanklich wird die Vorstellung vom Mittelalter wiederum bei allen Altersgruppen gleich mit jeweils über 70 % von den Assoziationen „Könige und Königinnen“, „Burgen“ und „Arm und Reich“ beherrscht, während die Begriffspaare „Schrift und Bildung“ und „Kunst und Musik“ am seltensten gewählt wurden.

Erstaunlich und erfreulich hoch ist das Interesse an der Wissenschaft: wie Archäologen und ihre Nachbardisziplinen arbeiten und forschen wollen fast 80 % der jüngeren und immerhin 67 % der älteren Schüler wissen. Das Angebot selbst einmal als Archäologe zu arbeiten oder diese Forschungsmethoden auszuprobieren finden immerhin 74 (jüngere) bis 60 % aller Kinder und Jugendlichen ansprechend.

Tendenziell lässt sich feststellen, dass das Interesse an Mitmachangeboten bei jüngeren Schülern generell etwas höher ist, als bei älteren und bei Jungs niedriger als bei Mädchen. Von sieben verschiedenen Kursangeboten zu Tätigkeiten und Herstellungsverfahren des Mittelalters zeigten sich die älteren Schüler im Durchschnitt an 3,3 Kursen interessiert. Bei den jüngeren waren es fast 3,9. Bei beiden gleich fiel allerdings das Ranking bezüglich der Beliebtheit der verschiedenen Angebote aus. Mit ca. 75 % am meisten Interesse zeigten die Schüler am Kurs „Bogenschießen“, gefolgt von um die 60 % bei den Angeboten „Kochen“ und „Feuermachen“. Ein signifikanter Unterschied zeigte sich beim Kursvorschlag „Was haben Kinder gespielt?“: während sich nur knapp 50 % der älteren dafür interessierten, lag dieses Thema bei den jüngeren Schülern mit fast 68 % an zweiter Stelle.

Für die Planung der Ausstellung von großer Bedeutung sind die Fragen (Frage 7 und 8) zur Umsetzung und didaktischen Aufbereitung von Inhalten. Erfreulicherweise rangiert hier in allen Altersgruppen der Wunsch nach einer analogen Darstellungsform mit teilweise weit über 70 % mit Abstand an erster Stelle noch vor digitalen Medien.

Auch die Fragen zu einzelnen Themenvorschlägen für Sonderausstellungen, die nur die älteren Schüler beantworten sollten, zeigten bemerkenswerte Ergebnisse: Eindeutig als „eher spannend“ wurden die Themen „Bad Neustadt als Gesundheitszentrum: Von der ersten Apotheke zum Rhön-Klinikum“, „Industrialisierung – Entstehung und Entwicklung Neustädter Firmen (Siemens, Preh, Jopp, Kunert…)“, „Dreißigjähriger Krieg“ und „Nationalsozialismus in Bad Neustadt und der Region“ betrachtet. Deutlich mehr als 50 % der Schüler erachteten hingegen Themen wie „Bad Neustadt im Spätmittelalter – Amtsstadt im Bistum Würzburg“, „Die jüdische Gemeinde von Bad Neustadt“ oder auch „Klostergeschichte Bildhausen, Wechterswinkel, Karmelittenkloster“ als eher uninteressant.

Bei den freien Fragen zu Interessen und Wünschen liegt das Thema „Ritter“ an erster Stelle, gefolgt von allem was mit Waffen/Kämpfen/Krieg zu tun hat. In eine ähnliche Richtung geht auch das sehr häufig genannte Thema Krankheiten/Pest/Gesundheit. Der Wunsch „Mitmachsachen/Experimente“ wurde zusammen mit „freier Eintritt für Kinder/spezielle Tage/Jahreskarte“ am häufigsten geäußert. Fünfmal wurde von den älteren Schülern der Hinweis gegeben, dass ein Museum langweilig sei und darum darauf verzichtet werden sollte.

Durch die Umfrage lassen sich nun viele offene Fragen bezüglich der Herangehensweise an die Ausstellungskonzeption aber auch die in Frage kommenden Themen näher eingrenzen und konkretisieren.

Über die positive Resonanz und Mitarbeit bei Schulamt, Schulleitern, Lehrern und natürlich den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern haben wir uns sehr gefreut und möchten uns noch einmal ausdrücklich dafür bedanken!

Magnetogramm der Wüstung Mühlstatt.

Befunde anders sehen. Suszeptibilitätsmessungen als objektive Befunderkennung

Ein Gastbeitrag vom Tübinger Studenten Johannes Reller

Interessierte Besucher einer archäologischen Grabung fragen regelmäßig, weshalb man denn genau hier grabe und was genau gegraben werde. Meistens wird dann in der Erklärung weit ausgeholt: Es wird versucht zu erklären, dass die graueren, schwärzeren und/oder steinloseren Bereiche im Vergleich zum umgebenden Boden vermutlich Befunde sind. Dabei handelt es sich meisten um verfüllte Überreste von Grubenhäusern, Pfosten-, Speicher- oder Abfallgruben. Diese werden dann zur Bestätigung im Planum geputzt, um die Befundgrenzen erkennen zu können, und geschnitten, also halbiert und eine der beiden Seiten ausgegraben, damit das Profil dokumentiert werden kann. Sowohl im Planum, als auch im Profil werden die Form der Grube, die Verfüllrichtungen und die innere Organisation dokumentiert und beschrieben.

Manchmal haben aber auch erfahrene Archäologen Probleme, Befunde zu erkennen und von ihrer Umgebung abzugrenzen. Zusätzlich sind das Erkennen und Beschreiben der Befunde auch subjektiv –die Grenzen und besonders die Färbungen können unterschiedlich wahrgenommen werden. Ein Hilfsmittel zum objektiven Erkennen und Beschreiben von Befunden ist die Suszeptibilitätsmessung.

Im Grunde handelt es sich um einen Metalldetektor, der so fein eingestellt ist, dass damit die Magnetisierbarkeit einer Substanz (hier: das Sediment/der Boden innerhalb und außerhalb des Befundes) in einem schwachen Magnetfeld – wie zum Beispiel das der Erde – gemessen werden kann (Dalan 2017).

Weshalb sollte aber die Magnetisierbarkeit des Sediments in der Archäologie Aussagen treffen können – nicht in jedem Befund ist Eisen oder Metall enthalten?

Die Suszeptibilitätsmessung nutz der Archäologie, weil durch den Menschen beeinflusste (anthropogene) Sedimente einen hohen Anteil organischem Material sowie Brandspuren und Feuerstellen aufweisen. Durch organische oder chemische Zersetzungsprozesse oder durch Hitzeeinwirkungen, die unter anderem anthropogene Ursachen haben können, werden diese eher schwach magnetisierbaren Böden magnetisch verstärkt. Die Messergebnisse dieser Sedimente stehen im Kontrast zum geologisch gewachsenen Boden.

Durch das Messen einer Fläche in einem vorher festgelegten Raster, können die Messergebnisse kartiert werden, wodurch sich Befundgrenzen abzeichnen. Auch innerhalb des Befundes sind Unterschiede in der Magnetisierbarkeit möglich, die auf die Struktur innerhalb des Befundes Rückschlüsse zulassen.

Während der diesjährigen Grabung „Mühlstatt 2019“ bei Salz wurde die Suszeptibilitätsmessung ausprobiert. Dabei wurde aber nicht die gesamte Fläche gemessen, sondern nur der Bereich des gegrabenen Grubenhauses. In allen Plana des Grubenhauses wurden die Suszeptibilität des Sedimentes gemessen. Dafür wurde ein 30 cm-Raster über das Grubenhaus gelegt, an dessen Schnittpunkten jeweils eine Messung durchgeführt wurde. Dieses Raster wurde in den Plana beibehalten, um die Ergebnisse der Messungen auch zwischen den einzelnen Plana vergleichen zu können. Des Weiteren wurden auch die Profile in einem 30 cm-Raster gemessen, um die Verfüllungsschichten zu erfassen (vgl. Fassbinder 2017).

Ziel war es eine objektive/weitere Beschreibung und Art der Dokumentation des Befundes zu erhalten und die Ergebnisse dieser Messungen in die vor einigen Jahren durchgeführte geomagnetische Untersuchung (Suszeptibilität im großen Stil) des gesamten Siedlungsbereiches Mühlstatt einzuhängen, weil sich dadurch eine Verbesserung der Aussagekraft erhofft wird. Zudem sollte getestet werde, ob diese Untersuchungsmethode Ergebnisse liefert.

Es scheint so zu sein, dass die Messungen im Bereich des Grubenhauses funktioniert haben. Entlang dessen Befundgrenzen wurden regelmäßig Werte gemessen, die auf eine gute Magnetisierbarkeit schließen lassen. Bei der späteren Ausgrabung der Befunde konnten genau in diesen Bereichen sehr hohe Organik-Konzentrationen dokumentiert werden, die eventuell Reste hölzerner Einbauten gewesen sein könnten. Insgesamt waren die Ergebnisse aber sehr inhomogen, was vermutlich auf die Heterogenität des geologisch gewachsenen Bodens und der Verfüllungen zurückzuführen ist.

Literatur

  • Dalan 2017: R. A. Dalan, Susceptibility. In: S. Allan (Hrsg.), Encyclopedia of Geoarchaeology, Encyclopediea of Earth Sciences Series 7 (Dordrecht 2017), 939-943.
  • Fassbinder 2017: J. W. E. Fassbinder, Magnetische Eigenschaften der archäologischen Schichten von Qantir, Nile Delta, Egypt. In: E. B. Pusch/ H. Becker (Hrsg), Fenster der Vergangenheit. Einblicke in die Struktur der Ramses-Stadt durch magnetische Prospektion und Grabung, Forschungen in der Ramses-Stadt 9 (Hildesheim 2014) 329-349.
Das nur sehr schwach erkennbare Grubenhaus in Planum 1. In einem 30 cm Raster wurden in diesem Bereich Suszeptibilitätsmessungen durchgeführt, um den Befund abzusichern.
Das Kappameter, mit dem die Suszeptibilitätsmessungen durchgeführt wurden.
Die Grabungsmannschaft der Kampagne 2019 in der ersten Woche.

Woher weiß man, wo man nach Anzeichen menschlichen Lebens suchen und graben muss?

Ein Gastbeitrag von der Studentin Charlott Biesenthal

Es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten wie man herausfinden kann, wo eine Grabung einen wissenschaftlichen Nutzen erbringen kann. Auch können sich diese je nach Zeitepoche, welche man untersuchen möchte, unterscheiden.

Im Fall der Pfalz Salz gaben anfangs mittelalterliche Schriften Aufschluss darüber, dass in diesem Gebiet Karl der Große seine Residenz gehabt hat. Daraufhin wurden Luftbildaufnahmen des Gebietes, dazu gehört unter anderem der Veitsberg und die Flur Mühlstatt, betrachtet und auf Bewuchsmerkmale untersucht.

Bei Bewuchsmerkmalen auf einem Acker unterscheidet man zwischen zwei Arten: positiven und negativen, die sich dunkler und heller abzeichnen. Positive zeichnen sich durch größere und stärkere Pflanzen aus. Dies kommt deshalb zustande, weil sich im Boden unter den Pflanzen mehr Mineralien und weniger Steine befinden. Grund dafür können wieder verfüllte Gräben oder Gruben früherer Siedlungen oder andere eingetiefte Bestandteile sein. Negative Bewuchsmerkmale zeichnen sich, im Gegensatz zu den positiven, durch kleinere und schwächere Pflanzen aus. Grund hierfür ist meist ein ungeeigneter, möglicherweise sehr steiniger oder mit einer festgetretenen Erdschicht durchgezogener Boden. Dies kann beispielsweise durch einen ehemaligen festgetretenen Weg oder eine verschüttete Mauer hervorgerufen werden. Mithilfe dieser Merkmale konnte man einige wichtige Bestandteile der Steinbebauung auf dem Veitsberg und der dazugehörigen Handwerkersiedlung, in der im August 2019 gegraben wurde, erkennen.

Nach der Auswertung der Bewuchsmerkmale wurde eine sogenannte Feldbegehung durchgeführt. Dabei wurden auf der Oberfläche der entdeckten Fundstelle sogenannte Lesefunde, beispielsweise Keramik und Metallgegenstände, eingemessen und eingesammelt.

Neben dieser Feldbegehung wurde eine geomagnetische Prospektion durchgeführt. Hierzu wird ein Gerät hinzugezogen, das Änderungen des Magnetfeldes aufzeichnet, die durch archäologische oder geologische Strukturen im Boden hervorgerufen werden. Das Ergebnis dieser Messung ist meist eine Karte in unterschiedlichen Graustufen, welche diese archäologischen Strukturen abbilden. Als dann auch noch die bürokratischen Hürden genommen waren, konnte die Grabung durchgeführt werden.

Positive Bewuchsmerkmale in der Flur Mühlstatt ((c) K. Leidorf; Umzeichnung A. Wunschel) .
Magnetogramm vom Veitsberg. Deutlich sind die zahlreichen Gräben und Gruben erkennbar ((c) J. Fassbinder).
Die Bauhöfe holen Werkzeug und Container ab.

Punktlandung – Grabungsende der diesjährigen Untersuchung

In der letzten Grabungswoche wurde endlich die Sohle des Grubenhauses erreicht, in dem zahlreiches Fundmaterial lag, unter anderem auch eine kleine Emailscheibenfibel. Pünktlich zum Feierabend am Donnerstag den 29.08.2019 konnte die Grabungsdokumentation abgeschlossen, die letzten Bodenproben genommen und das Werkzeug für den Abtransport zusammengepackt werden.

Die zwei nicht ausgegrabenen Quadranten und die übrigen Befunde, die nicht ausgegraben worden sind, wurden mit einer schützenden Schicht Stroh abgedeckt, die gleichzeitig bei potentiellen künftigen Untersuchungen das Wiederauffinden erleichtert.

Am Freitag holten die Bauhöfe von Salz/Hohenroth und Bad Neustadt das Grabungsmaterial und die Container ab, die Grabungsfläche wird in den nächsten Tagen wieder mit dem Bagger verfüllt werden und dann sieht alles wieder aus, als wäre nie etwas gewesen.

Wie schon bei den Grabungen auf dem Veitsberg standen die Gemeinden Salz und Hohenroth und die Stadt Bad Neustadt den Ausgräbern mit Rat und Tat zur Seite. Das Grabungsteam hat sich wieder sehr wohl und willkommen gefühlt und möchte sich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken – auch bei allen Besuchern, die sich vor Ort informiert haben.

Bis nächstes Jahr – wir kommen wieder!    

Zwei Pfostenlöcher in der Sohle des Grubenhauses.
Die Kontur des Grubenhauses zeichnet sich im Profil deutlich ab. Am linken Bildrand unten eine Pfostengrube.
Die Dokumentationsarbeiten sind im vollem Gange.
Während noch die letzten Bodenproben genommen werden, wird der Befund zum Schutz mit Stroh abgedeckt.
Jeder hat seinen eigenen Befund.

Ferienspaß bei den Archäologen

Am letzten Freitag, dem 23.08.2019, besuchte eine elfköpfige Gruppe im Zuge des Ferienfiebers die laufende Ausgrabung in der Flur Mühlstatt. Sie erfuhren, was überhaupt eine Königspfalz ist, wie groß das gesamte Pfalzgebiet einmal war, welche Plätze archäologisch und historisch bekannt sind und welche Rolle die Siedlungswüstung in der Flur Mühlstatt für den König spielte.  Außerdem wurden Methoden der Feldarchäologie erklärt, die dann sogleich auch in der Praxis ausprobiert werden durften.

Begleitet von den studentischen Mitarbeitern, durften die Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren einen Befund putzen, zeichnen, nivellieren, beschreiben, fotografieren und schlussendlich ausnehmen und die Funde einsammeln.

Um 12.00 Uhr gab es eine kleine Stärkung für alle. Mit einer Begutachtung der Dokumentationen und der Funde wurde die kleine Lehrstunde in Archäologie abgeschlossen. Manch einer konnte dann noch einen „Schatz“ in Form eines Kinderriegels mit der Metallsonde im Abraum entdecken.