Kinderuni am Geschichtsmodell – von Karl dem Großen bis Rhönklinikum

Die erste Vorlesung der diesjährigen Kinderuni fand Anfang Oktober mit Petra Wolters am lebendigen Geschichtsmodell am Busbahnhof statt. Die Teilnehmer erlebten eine multimediale Zeitreise durch die Jahrhunderte – von den Anfängen der Königspfalz Salz im 6. Jahrhundert bis zum heutigen Wirtschaftsstandort Bad Neustadt.

Am Modell erlebten die Kinder, wie sich Bad Neustadt und seine Umgebung vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit entwickelt und sich die Landschaft, Flüsse und Siedlungen über viele Jahrhunderte verändert haben.

Ein besonderer Schwerpunkt der Vorlesung lag auf dem Thema Archäologie und der Zeit des Frühmittelalters. Ausgangspunkt war der erste Besuch Karls des Großen im Jahr 790 in seiner Königspfalz Salz. In diesem temporären Regierungssitz hielt er Hof, stellte Urkunden aus und empfing Gäste aus aller Welt. Diese zentralörtliche Funktion übernahm im Spätmittelalter dann die Stadt Bad Neustadt.

Neue alte Mauern auf dem Veitsberg

Für die karolingisch-ottonische Königspfalz Salz spielt die Befestigungsanlage auf dem Veitsberg eine wichtige Rolle. Nach dem jetzigen Forschungsstand muss davon ausgegangen werden, dass Karl der Große und seine Nachfolger bei Ihren zeitweiligen Aufenthalten in der Pfalz Salz dort wohnten.

Die bisherigen archäologischen Maßnahmen hatten sich auf die Befestigungselemente und die Gesamtform der Anlage beschränkt und den Nachweis einer kastellförmigen Kernburg mit Mörtelmauer, Graben und Vorburgbereich des 8. bis 10. Jahrhunderts erbracht.

In diesem Sommer kann innerhalb des Mauerberings geforscht werden. Am 21. Juli starteten acht Studierende der Uni Jena zu einer neuen Grabungskampagne auf dem Veitsberg. Mit Hilfe des Baggers wurde der Humus abgenommen. Da sich bereits in der ersten geöffneten Fläche ein Mauerzug zeigte, wurde die Fläche T-förmig erweitert.

Mittlerweile konnten vier Mauerteile freigelegt werden, die möglicherweise zu mehreren Gebäuden gehören. Im Zentrum zeigte sich eine großflächige spätmittelalterliche Störung, die einen Teil der Mauern überlagert. Daher ist die Entstehungszeit der Bauwerke bislang unklar.

Wir arbeiten daran!

Archäologische Ausgrabungen auf dem Veitsberg 2025

Für die karolingisch-ottonische Königspfalz Salz spielt die Befestigungsanlage auf dem Veitsberg (nahe Hohenroth) eine wichtige Rolle. Nach dem jetzigen Forschungsstand muss davon ausgegangen werden, dass sich Karl der Große und seine Nachfolger bei Ihren zeitweiligen Aufenthalten in der Pfalz Salz dort einquartierten.

Die bisherigen archäologischen Maßnahmen hatten sich weitestgehend auf die Befestigungselemente und die Gesamtform der Anlage beschränkt und den Nachweis einer kastellförmigen Kernburg mit Mörtelmauer, Graben und Vorburgbereich des 8. bis 10. Jahrhunderts erbracht.

In den Jahren 2021 und 2022 konnte dann die forschungsgeschichtlich kontrovers diskutierte kreisrunde Erhebung im Zentrum der Kernburg untersucht werden, die sich als geradezu idealtypische hochmittelalterliche Turmhügelburg mit rundem Steinbau in der Mitte, umgeben von Palisade und Graben entpuppte. Dazu gesellte sich etwas südlich der Turmburg ein ebenfalls hochmittelalterlicher Keller. Diese beiden Befunde verdeutlichen, dass die frühmittelalterliche Anlage auch nach der Schenkung an das Bistum Würzburg nach 974 noch genutzt wurde.

Noch steht jedoch der Nachweis einer frühmittelalterlichen Innenbebauung aus und so soll zwischen dem 21. Juli und dem 8. August 2025 ein weiterer Versuch unternommen werden, etwaige Gebäudereste aufzudecken. Die Forschungen finden im Rahmen einer Lehrgrabung mit Studierenden der Universität Jena in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege statt.

 

Fresh off the press! Die Befestigung auf dem Veitsberg

Die öffentliche Buchpräsentation „Die Befestigung auf dem Veitsberg – Archäologische Untersuchungen zu palatium und castellum im karolingisch-ottonischen Pfalzgebiet Salz“ findet am 18.03.2025, ab 17:00 Uhr im Alten Amtshaus in Bad Neustadt statt.

Im Zentrum dieser Studie, dem dritten Band der Reihe „Interdisziplinäre Forschungen zur Königspfalz Salz“, stehen die Untersuchungen auf dem Veitsberg. Für die Klärung der Frage, ob es sich bei den Baulichkeiten auf dem Bergsporn um das repräsentative Zentrum des Pfalzgebietes Salz handelt, waren die aus den archäologischen Grabungen gewonnenen Erkenntnisse grundlegend. Nur durch die umfassende Auswertung aller erfassten Befunde und Funde konnte es gelingen, den Veitsberg als herrschaftliches Zentrum der Pfalzgebietes herauszuarbeiten, wobei sich die in den Schriftquellen hervortretende Bedeutung der Pfalz weniger in den Artefakten als in den Baulichkeiten, einer karolingerzeitlichen kastellförmigen Steinbefestigung, abzeichnet.

In die Untersuchungen flossen die Erkenntnisse aus vielen Nachbardisziplinen mit ein, wodurch es gelang, das Bild zu verdichten. Luftbildarchäologie, geophysikalische Messungen, geoarchäologische Bohrsondagen, digitale Geländemodelle und historische Karten trugen dazu bei, Topographie und Baubestand näher einzugrenzen. Chemische Analysen von Glas und Mörtel sowie zahlreiche Radiokarbondaten verdichten die Erkenntnisse. Die Auswertung des Tierknochenmaterials und archäobotanische Untersuchungen liefern wertvolle Hinweise zu umwelt-, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Aspekten.

Die wichtige Rolle der Anlage tritt umso stärker hervor, wenn sie in die bekannte historische und archäologische Entwicklung der Mikro- und Makroregion eingebettet wird. Innerhalb des Pfalzgebietes zeigt sich das für karolingische und ottonische Pfalzorte geradezu charakteristische Nebeneinander von Burg/palatium und Wirtschaftshöfen. Großräumig betrachtet fügt sich der Veitsberg in die bekannten Entwicklungen des frühmittelalterlichen Landesausbaus ein, als dessen Träger das Königtum, die Kirche und der Adel in Erscheinung treten.

Das Buch ist im Verlag Beier & Beran erschienen und kann dort oder bei der Universität Jena – Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte bestellt werden. In Bad Neustadt ist der Band in der Stadthalle erhältlich.

 

…”nam fluminis huius Rivus adhuc modicus haec ipsa palatia cingit” – Geophysik zwischen Saale und Mühlbach

Am Montag, den 11. November, konnte mit Hilfe von Kollegen der Universität Würzburg eine Geomagnetikmessung im Bereich zwischen Kurpark und Triamare durchgeführt werden. Anlass waren zahlreiche Nachrichten von Historikern des 18. und 19. Jahrhunderts, die Pfalz Karls des Großen hätte hier gestanden.

So schreibt Johann Georg von Eckhart, ein Schüler Gottfried Wilhelm Leibniz‘, 1725 in seiner Abhandlung „Gründliche Nachricht von der Kayserl. und Königlichen Alten Saltzburg, und dem Pallaste Saltz in Francken“: „Es kann aber seyn, daß, wie Carolomanni Bruder Pippinus König der Francken geworden war, und ihm hernach sein Sohn Carl der Große nachfolgete, dieser wegen seines großen Hof-Staats Salzburg zu klein, auch wegen des hohen Berges etwas unbequemlich gefunden, und deßwegen unten an der Saale einen geraumen Pallast gebauet und die Salzburg nur vor eine Königliche Festung beybehalten habe. Denn bald hernach werden wir diesen Pallast unten auf der zimlich großen Insel, welche die Saale zwischen Salzburg und der Neustadt machet, antreffen“. Nachdem er den Poeta Saxo zitiert folgert er: „Von dem Pallaste Salz sagt der Poeta Saxo, der diesen Orth wohl betrachtet haben muss, er liege nicht weit von dem Ursprunge der Saale, und ein mäßiger Arm desselben fließe um ihn herumb. Die Salzburg kann nicht von der Saale, der hohen Gegend wegen umflossen werden; und die Neustadt eben dieser Ursache halben auch nicht. Es folgt also hieraus, daß der Pallast an denjenigen Orthe zwischen Neustadt und der Saale, gestanden habe, wo anizt die Saale daselbst, wie auch vorher schon erwehnet, eine ziemliche große Insul machet. Man siehet zwar alda keine Nachbleibsel dieses prächtigen Gebäudes: allein deßwegen darff man nicht zweifflen, daß es da gewesen“. Warum keinerlei Reste des Palastes erhalten sind, erklärt er folgendermaßen: „Zu den Gebäuden dieser Stadt sind ohne Zweiffel die Steine des Pallastes Salz angewendet worden, so daß man davon anjezt nicht die geringste Spur mehr antrifft. Indessen heisset das Thor, so auf die Insul, da der Pallast gestanden, zu gehet, annoch das Salz-Thor, und zeiget die alte Lage desselben an“.

Zu Neustadt weiß er auch noch zu berichten: „Unter Carolo M. werden wir Palatium Salz unter der Salzburg antreffen: die Salzburg und dieser Pallast haben Gelegenheit zur Villa Salz gegeben, so izt die Neustadt heißet, und ist noch allda die Tradition unter den Leuten, daß, wo die Neustadt stehet, vorhin der königliche Hoffstall gewesen und seine Bedienten von dar nacher Brent in die Kirche gegangen seyn. Die Könige hergegen hatten ihre Hof-Kirche oben auf der Salzburg, davon man die Uberbleibseln noch siehet […]“.

150 Jahre später schreibt Josef Koch, dass nun allerdings nichts mehr davon übrig sei. Nichtsdestotrotz kann er die Lage des von Eckhart angeführten „Insel-Palastes“ benennen: „Er soll im Wiesengrunde, nun die „Au“ genannt, gestanden sein, da wo unweit des jetzigen Neustadt die Saale eine große Insel bildet“.

So schien es also angebracht, sich diese Stelle einmal genauer anzuschauen. Im Messbild (sog. Magnetogramm) lassen sich – entgegen den Ausführungen der vorher genannten Historiker – jedoch keinerlei Hinweise auf die ehemalige Königspfalz bzw. Gebäudestrukturen in diesem Areal ausmachen.

Frühlatène statt Frühmittelalter       

Die diesjährigen Ausgrabungen im frühmittelalterlichen Gräberfeld in Salz erbrachten statt der erwarteten frühmittelalterlichen Befunde eine Bestattung vermutlich der Frühlatènezeit (4./5. Jahrhundert vor Christus).

Direkt unter der Ackerkrumme zeigten sich die ersten Steine, die dann beim weiteren Freilegen eine annähernd ovale Form bildeten. Noch bis Planum 2 fanden sich immer wieder Humusreste, so dass davon ausgegangen werden muss, dass Teile des Grabes dem Pflug zum Opfer fielen. Jedoch scheint das Grab auch gestört worden zu sein, denn die wenigen verbliebenen Knochen, lagen ohne jeden anatomischen Zusammenhang wild verstreut.

Dem Toten wurden mindestens sieben Gefäße mit ins Grab gegeben. Zwei bronzene Spiralen und ein Eisenmesser ergänzten die Ausstattung. Das Messer wurde im Block geborgen und wird nun in der Restaurierungswerkstatt der Uni Jena, Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie mit Sammlung UFG, freigelegt und konserviert.

In Reih und Glied – Das Gräberfeld von Salz

Das merowingerzeitliche Gräberfeld bei Salz ist der früheste Beleg für die Erschließung des Neustädter Beckens im Mittelalter. Ab dem mittleren 6. Jahrhundert wurden hier mindestens 200 Jahre lang die Toten bestattet.

Das frühmittelalterliche Reihengräberfeld befindet sich in einem unscheinbaren Feld nahe der heutigen Ortschaft Salz. 1998 dokumentierte der Luftbildarchäologe Klaus Leidorf dort auffällige Bewuchsmerkmale, die zur Entdeckung des Gräberfeldes führten. Etwa 90 Gräber zeichnen sich als dunkle Rechtecke im Getreide ab.

Eine Sondagegrabung sollte im August 2000 einen ersten Eindruck vom Erhaltungszustand und der Zeitstellung des Gräberfeldes liefern. Dafür wurde eine Fläche von 6 x 70 Metern untersucht. Im Luftbild waren in diesem Bereich nur 12 Grabgruben zu erkennen. Im Verlauf der Ausgrabungen stellte sich heraus, dass weitere 14 Gräber in der Sondagefläche lagen, die sich nicht im Bewuchs abgezeichnet hatten. Aus diesem Grund wird die Gesamtanzahl der Bestattungen im Gräberfeld von Salz auf insgesamt etwa 200 geschätzt.

Die Anordnung der Grabgruben erfolgte im Frühmittelalter im ganzen Fränkischen Reich meist in Reihen und annähernd West-Ost ausgerichtet. Daher stammt auch der Name Reihengräberfeld. Die Toten wurden mit Waffen, Schmuck und Gebrauchsgegenständen begraben. Da diese Sitte um 700 endet, enthalten die jüngsten Bestattungen des Gräberfeldes aus dem späteren 7. und 8. Jahrhundert keine Beigaben mehr. Danach wurde nicht mehr auf Gräberfeldern außerhalb der Orte, sondern in Friedhöfen an den immer zahlreicher werdenden Kirchen bestattet.

Zahlreiche Faktoren beeinflussten, was Verstorbenen mit ins Grab gegeben wurde. Neben den religiösen Gepflogenheiten und Jenseitsvorstellungen hatten vor allem das Geschlecht, das Alter sowie der soziale Status der bestatteten Person und seiner Hinterbliebenen entscheidenden Einfluss. Durch reiche Beigaben, aber auch durch aufwändigen Grabbau dokumentierte die Oberschicht ihre Vorrangstellung innerhalb der Gesellschaft bis über den Tod hinaus.

Ab dem 15. Juli 2024 werden wir versuchen, die Grenzen des Gräberfeldes etwas näher zu bestimmen, da dort ein Gewerbegebiet geplant ist. Die Forschungen finden im Rahmen einer Lehrgrabung mit Studierenden der Uni Jena in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege statt.

 

Eröffnung des Lebendigen Geschichtsmodells Königspfalz Salz

Im Rahmen des Heimaterlebnistages am 5. Mai 2024 findet die Eröffnung des dreidimensionalen, digitalen Geschichtsmodells statt. Das Modell bildet die historische Dimension des karolingischen Pfalzgebietes mit einer Größe von rund 600 km2 ab. Filme, Bilder und Projektionen zeigen die Entwicklung des ehemaligen Pfalzgebietes zum heutigen Großraum um Bad Neustadt. Dargestellt sind z. B. die Themenbereiche Besiedlung, Bewaldung, Archäologie, Geologie, Hydrologie, Mobilität und Wirtschaft vom Frühmittelalter bis heute. Zu jeder halben Stunde wird es eine kleine Einführung und Erläuterungen durch Dr. Petra Wolters zum Geschichtsmodell geben.

Ein buntes Begleitprogramm lädt Groß und Klein ein, die Geschichte Bad Neustadts und seiner Umgebung mit allen Sinnen zu erleben. Ab 15.00 Uhr wird es Stadtführungen und eine begleitete Wanderung auf dem neuen Premiumstadtwanderweg geben (hierfür wird um Anmeldung gebeten unter  hauptamt@bad-neustadt.de).

Die Kreisheimatpflegerin Dr. Sabine Fechter bietet um 14.30 Uhr eine Führung zu ausgewählten Bauten in der Stadt Bad Neustadt a.d.S. an. Schwerpunkt ist die Epoche nach dem Dreißigjährigen Krieg, als sich in Neustadt eine rege Bautätigkeit im Stil von Barock und Rokoko entfaltet. Fürstbischof, Adel, Kirche und Bürgertum treten dabei gleichermaßen als Bauherren auf.

Wer gut aufgepasst hat, kann bei einem Quiz punkten und gewinnen. Für alle, die immer noch nicht genug von Geschichte(n) haben, wird es einen Büchertisch mit heimatkundlicher und historischer Lektüre geben.

Für das leibliche Wohl sorgt ein Stand mit Fairtrade Angeboten sowie die Freiwillige Feuerwehr mit Bratwürsten und Getränken.

Zweifache Förderung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen

Im Zuge der Ausschreibungen für die Ausstellungen im Fronhof, unterstützte die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen (museumsberatung-bayern.de) zum einen die Gestalterfindung für das Ausstellungsdesign und zum anderen die vorhergehenden Recherche- und Konzeptarbeiten.

Frau Dr. Sabine Fechter unterstütze Anfang 2023 mit Ihrer Expertise im Bereich Volkskunde und Kunstgeschichte die Archäologin Petra Wolters bei der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen für die Gestalterfindung. Dazu musste das Grobkonzept gerade für die Phasen der neuzeitlichen Stadtgeschichte nochmals nachgeschärft werden und Leitexponate identifiziert werden.

Diese Ausschreibungsunterlagen dienten dann in einem zweiten Schritt der Gestalterfindung, die in einem zweistufigen Verfahren stattfand. Dabei stellten sich die Büros einem Gremium aus Stadtratsmitgliedern und Fachkräften vor. Am Ende konnte sich das Studio Neue Museen aus Halle/Berlin durchsetzen.

Beide Schritte hin zu einer archäologisch-historischen Ausstellung im Fronhof wurden von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen fachlich begleitet, aber auch wohlwollend gefördert. Dafür möchten wir uns recht herzlich bedanken!

Frohe, friedliche Weihnachtstage!