Die Bauhöfe holen Werkzeug und Container ab.

Punktlandung – Grabungsende der diesjährigen Untersuchung

In der letzten Grabungswoche wurde endlich die Sohle des Grubenhauses erreicht, in dem zahlreiches Fundmaterial lag, unter anderem auch eine kleine Emailscheibenfibel. Pünktlich zum Feierabend am Donnerstag den 29.08.2019 konnte die Grabungsdokumentation abgeschlossen, die letzten Bodenproben genommen und das Werkzeug für den Abtransport zusammengepackt werden.

Die zwei nicht ausgegrabenen Quadranten und die übrigen Befunde, die nicht ausgegraben worden sind, wurden mit einer schützenden Schicht Stroh abgedeckt, die gleichzeitig bei potentiellen künftigen Untersuchungen das Wiederauffinden erleichtert.

Am Freitag holten die Bauhöfe von Salz/Hohenroth und Bad Neustadt das Grabungsmaterial und die Container ab, die Grabungsfläche wird in den nächsten Tagen wieder mit dem Bagger verfüllt werden und dann sieht alles wieder aus, als wäre nie etwas gewesen.

Wie schon bei den Grabungen auf dem Veitsberg standen die Gemeinden Salz und Hohenroth und die Stadt Bad Neustadt den Ausgräbern mit Rat und Tat zur Seite. Das Grabungsteam hat sich wieder sehr wohl und willkommen gefühlt und möchte sich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken – auch bei allen Besuchern, die sich vor Ort informiert haben.

Bis nächstes Jahr – wir kommen wieder!    

Zwei Pfostenlöcher in der Sohle des Grubenhauses.
Die Kontur des Grubenhauses zeichnet sich im Profil deutlich ab. Am linken Bildrand unten eine Pfostengrube.
Die Dokumentationsarbeiten sind im vollem Gange.
Während noch die letzten Bodenproben genommen werden, wird der Befund zum Schutz mit Stroh abgedeckt.
Jeder hat seinen eigenen Befund.

Ferienspaß bei den Archäologen

Am letzten Freitag, dem 23.08.2019, besuchte eine elfköpfige Gruppe im Zuge des Ferienfiebers die laufende Ausgrabung in der Flur Mühlstatt. Sie erfuhren, was überhaupt eine Königspfalz ist, wie groß das gesamte Pfalzgebiet einmal war, welche Plätze archäologisch und historisch bekannt sind und welche Rolle die Siedlungswüstung in der Flur Mühlstatt für den König spielte.  Außerdem wurden Methoden der Feldarchäologie erklärt, die dann sogleich auch in der Praxis ausprobiert werden durften.

Begleitet von den studentischen Mitarbeitern, durften die Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren einen Befund putzen, zeichnen, nivellieren, beschreiben, fotografieren und schlussendlich ausnehmen und die Funde einsammeln.

Um 12.00 Uhr gab es eine kleine Stärkung für alle. Mit einer Begutachtung der Dokumentationen und der Funde wurde die kleine Lehrstunde in Archäologie abgeschlossen. Manch einer konnte dann noch einen „Schatz“ in Form eines Kinderriegels mit der Metallsonde im Abraum entdecken.

Trotz Regens fanden sich zahlreiche Geschichtsinteressierte auf der Grabung ein.

Großer Andrang bei schlechtem Wetter

Trotz des schlechten Wetters kamen rund 100 Besucher zu den öffentlichen Grabungsführungen bei der aktuellen Ausgrabung in der frühmittelalterlichen Handwerkersiedlung in der Flur Mühlstatt.

Nach einer historischen Einführung zum Pfalzgebiet wurden die teilweise nur schwer erkennbaren Befunde in der Fläche gezeigt und die Vorgehensweise archäologischer Ausgrabungen erläutert.

Die Präsentation einiger Funde und deren Datierung rundete die Führungen ab.

Das Grabungsteam freute sich über die vielen Fragen von Groß und Klein und das Interesse der zahlreichen Besucher!

Anlegen der Fläche mit dem Bagger

Ins Schwarze getroffen

Am 5. August eröffneten Petra Wolters und Lukas Werther mit 6 Studenten die diesjährige Grabungskampagne. Nachdem die nach den Luftbildern geplante Untersuchungsfläche im Feld abgesteckt war, kam am Dienstag der Bagger der Bauhofgemeinschaft Brend-Saale und befreite die Fläche vom Humus.

Exakt wie im Luftbild erkennbar, zeigten sich nach dem Planumsputz die Umrisse dreier Grubenhäuser als graubraune Flecken. Das östliche, in der Mitte der Fläche gelegene, wird nun in den kommenden Wochen untersucht.

Die Baggerarbeiten haben begonnen und der Abraum wird nach Fundmaterial durchsucht.
Die Umrisse der drei Grubenhäuser zeichnen sich etwas dunkler als Bewuchsmerkmal im Getreide ab.
Etwas dunkler und leicht grau zeichnet sich das annähernd quadratische Grubenhaus mit einer Größe von ca. 4 x 3,70 m ab.
Luftbild mit erkennbaren Grubenhäusern

Back on Dreck – die archäologischen Grabungen gehen endlich weiter!

Nach mehr als 4 Jahren, können wir endlich wieder im Pfalzgebiet gegraben. Für dieses Jahr ist eine Untersuchung in der wüstgefallenen Handwerkersiedlung „Mühlstatt“ an der Saale geplant, deren Wurzeln nach bisherigen Erkenntnissen bereits im 6./7. Jahrhundert liegen.

Die Wüstung umfasst zahlreiche, aus Luftbildern und geophysikalischen Untersuchungen bekannte Grubenhäuser. Kleinere Sondagen erbrachten Hinweise auf vielfältige handwerkliche Tätigkeiten. Da die Siedlung nie überbaut wurde, ist die Erhaltung der Befunde besonders gut. Ziel der Untersuchungen ist es, ein Grubenhaus nach modernsten archäologischen Standards zu ergraben und zu dokumentieren und dabei wesentliche Fragen zur Chronologie und Funktion des Fundplatzes zu klären.

Die Forschungen finden als Lehrgrabung mit Studenten der Uni Jena und der Uni Tübingen in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege im Zeitraum vom 5. bis 30. August 2019 statt.

Lage der Untersuchungsfläche in der Flur Mühlstatt mit eingezeichneten Luftbildbefunden.
Alte Amtskellerei

Alte Amtskellerei – Vom mittelalterlichen Finanzamt zum modernen Kulturzentrum

In der Sitzung vom 02.05.2018 beschloss der Stadtrat einstimmig, einen Architekturwettbewerb auszuschreiben, der die Umnutzung des seit Jahren größtenteils leer stehenden Gebäudes in der Altstadt zum Ziel hat.

Die Alte Amtskellerei war einst Sitz der bischöflichen Beamten, die dort Abgaben und Steuern, insgesamt die Finanzen des Ortes für ihren Landesherren verwalteten. Der älteste Gebäudeteil, das sogenannte Hohe Haus, ist durch Schriftquellen und dendrochronologisch in die Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Größere Umbauten erfolgten im Jahr 1570, wovon auch eine Inschrift zeugt. Als jüngster Teil ist der Querriegel der Dreiflügelanlage in seiner jetzigen Form anzusprechen, der allerdings wie der Südwestflügel auch, ursprünglich im frühen 17. Jahrhundert entstanden sein dürfte. Ab 1817 bis 1996 wurde das Gebäude als Gefängnis genutzt, wodurch sich das Erscheinungsbild des Baukörpers grundlegend veränderte. 2016 kaufte die Stadt Bad Neustadt dieses älteste Anwesen im Ort, um es einer öffentlichen Nutzung zuzuführen.

Zur Erarbeitung eines Konzepts wurde eine Steuerungsgruppe mit Vertretern der Fraktionen sowie der Verwaltung gebildet. Diese hat sich seit November 2018 intensiv mit den verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten befasst. Dabei haben sich die inhaltlichen Schwerpunkte Museum und Stadtbibliothek herauskristallisiert, die durch eine multifunktionale Kommunikationszone (Foyer/Café/Veranstaltungsräume) miteinander verbunden sein sollen. Um diese verschiedenen Nutzungen in dem stark überformten und denkmalgeschützten Gebäude zu integrieren, bedarf es einer innovativen planerischen Idee, weshalb ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden soll. Die Wettbewerbsausschreibung wird durch das das Büro Holl Wieden Partnerschaft, Stadtplaner und Architekten aus Würzburg begleitet. Rund 1700 qm Nutzfläche sind zu überplanen, wovon 650 qm für die Ausstellungen, 500 qm für die Bibliothek, 140 qm für die zentrale Kommunikationszone und weitere 120 qm für die Multifunktionsräume vorgesehen sind.

Claudia Scheler, Diplom Bibliothekarin und Leiterin der Stadtbibliothek präsentierte ihren Konzeptentwurf für eine neue Stadtbibliothek. Sie definierte eine Bibliothek  von Klein bis Groß mit dem Leitbild „Bildung und Kultur –moderne, digitale integrative Stadtbibliothek“. Anschließend stellte sie die daraus definierten Stärken der neuen Stadtbibliothek heraus: individuell ausgewähltes Medienangebot, qualitativ hochwertige Leseförderung, Bereitstellung von digitalen Medien rund um die Uhr, Vermittlung weiterführender Medienkompetenzen, zielgruppengerechte Veranstaltungen und Treffpunkt für Jedermann. Des Weiteren sollen Lese- und Studierplätze in das Konzept integriert werden.

Petra Wolters, Archäologin und Museologin, stellte die Museumsinhalte vor, wie sie sich in der Steuerungsgruppe herauskristallisiert hatten. Ausgehend vom Sammlungsbestand der Stadt Bad Neustadt, können zwei große Themenbereiche in der Dauerausstellung dargestellt werden – die frühmittelalterliche Königspfalz Salz und die jüngere Stadtgeschichte vom 13. Jahrhundert bis heute. Durch Wechselausstellungen zu verschiedensten Themen, die sich aus Bürgerwünschen, Spezialsammlungen oder -themen generieren können, wird das Ausstellungsangebot ergänzt. Eine Schülerumfrage quer durch alle Klassenstufen, bei der Kenntnisse, Interessen, Erwartungen und Ideen bezüglich solch einer Ausstellung in Erfahrung gebracht werden sollen, läuft momentan.

Am Tag des offenen Denkmals, den 8. September 2019, wird die Alte Amtskellerei allen interessierten Bürgen offenstehen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an claudia.scheler@bad-neustadt.de oder petra.wolters@bad-neustadt.de

Das sogenannte Hohe Haus, der älteste Teil des Alten Würzburger Amtskellers aus dem 14. Jahrhundert, überragt die übrigen Dächer Bad Neustadts bei Weitem. Aus dem wehrhaften Ausbau dieses bischöflichen Anwesens resultiert der Name „Fronhof“. Aufnahme Ende der 1970er Jahre (© Stadtarchiv Bad Neustadt a.d. Saale).

Umzeichnungen der Gefäße (Zeichnung: BLfD)

Zweimal gefunden – Archäologie im Depot

Bei der Inventarisierung und Durchsicht der städtischen Sammlung Bad Neustadts, konnte ein archäologischer Fund gemacht werden: zwei komplett erhaltene Miniaturgefäße fanden sich inmitten von Spinnrädern und altem Handwerksgerät. Nachforschungen im Archiv ergaben, dass der ehemalige Pfarrer von Brendlorenzen, Dr. Alois Schebler, die Gefäße in der ehemaligen Tongrube Gessner, dem heutigen Gelände der Fa. Wienerberger, fand. Der Zeitpunkt der Auffindung dürfte zwischen 1938 und 1945 liegen, da Hr. Schebler nur in diesem Zeitraum die Pfarrei betreute.

Es handelt sich um recht ungewöhnliche Formen. Vor allem für das Gefäß mit dem Kugelboden finden sich derzeit keine direkten Parallelen. Aus diesem Grunde und auch, weil keine weiteren Informationen zum Fundort vorliegen, sind sich die Experten bei der zeitlichen Einordung der Gefäße nicht ganz einig. Sicherlich ist die Keramik als vorgeschichtlich einzustufen. Die Vorschläge reichen von der Michelsberger Kultur (Neolithikum, etwa 4400 bis 3500 v. Chr.), über die Hallstattzeit (etwa 800 – 450 v. Chr.) bis zur direkt anschließenden La-Tène-Zeit (etwa 450 v. Chr. bis um Christi Geburt).

In jedem Fall handelt es sich bei den Gefäßen um zwei wirklich sehr schöne Exemplare, die einmal mehr beweisen, dass die Ästhetik der Dinge keine Erfindung der Neuzeit ist.

Weihnachtsgruß

Frohe Weihnachten!

Frankfurt Skyline

Neustadt in Mainhattan

Bild der Sage von den Nonnen am Veitsberg

Sagenhafter Fund im Archiv

Für die Präsentation der Geschichte des Neustädter Beckens werden momentan die vorhandenen Sammlungen der Stadt Bad Neustadt systematisch nach potentiellen Ausstellungsstücken durchsucht und inventarisiert. Momentan steht der reiche Bestand des Stadtarchivs im Fokus.

Dabei wurden zwei Bilder des nach dem Krieg in Brendlorenzen lebenden Künstlers Eugen Jeschke (*14. August 1913 in Lodz; †26. August 1965 in Brendlorenzen) entdeckt, die eine der zahlreichen Sagen über den Veitsberg zum Thema haben. Die Sage erzählt von einem ehemaligen Nonnenkloster auf dem Berg – ein Mythos, der um 1800 entsteht und ab diesem Zeitpunkt auch Eingang in zahlreiche Sagensammlungen und Lexikoneinträge findet.

 

Die von Jeschke dargestellte Sage berichtet über eine besondere Brücke nach Salz:

„Wenn im Kloster kein eigener Geistlicher war, dann besuchten die Nonnen in einer Reihe gehend die Heilige Messe in der Kirche zu Salz. Nun geschah es einmal, dass der Steg über die Saale durch Hochwasser überflutet war. Die Nonnen standen ratlos vor dem rauschenden Fluss. In ihrer Not beteten sie zu Gott um Hilfe. Danach bemerkte die Äbtissin, wie eine Spinne ihren Faden über das Wasser zog. Ihr deuchte ein Wink von oben. Sie prüfte die Stärke des Fadens und trat mit den Füßen darauf. Der Faden riss nicht. Nun schritten die Nonnen über diese seltsame Brücke. Verwundert schauten die Leute drein, wenn die Nonnen vom Veitsberg über dem Wasser schwebend zur Kirche schritten. Nun war unter den Nonnen eine, die sah gern nach einem Burschen von Salz. Der fragte sie nach der geheimnisvollen Brücke und sie verriet ihm das Gewebe der Spinne. Vor seinen Augen bestieg sie die Wunderbrücke und wollte darüber schreiten. Da tat sie einen Fehltritt und stürzte in den Fluss. Ein großer Fisch schnappte nach ihrem Kopf und zog die Nonne in die Tiefe.“

 

Die colorierte Bleistiftzeichnung entstand 1954, das Aquarell kam 1979 durch eine Schenkung in den Besitz der Stadt Bad Neustadt. Posthum ehrte die Stadt Bad Neustadt Eugen Jeschke durch die Benennung einer Straße nach ihm.