Zweite Grabungswoche

Die zweite Grabungswoche am Veitsberg geht zu Ende und es hat sich eine Menge bewegt. In Schnitt 1 konnte die Wehrmauer im Ostteil weiter freigelegt und dokumentiert werden. Um die Mauern, die aufgrund ihrer hervorragenden Erhaltung und ihres Denkmalwertes erhalten und konserviert werden sollen, konnte auf tiefere Plana abgetieft werden. Dabei stellte sich heraus dass sich die apsidenartige Mauer unter einer starken Störung, die lange die Gesamtstruktur nicht erkennen lies, nach Süden fortsetzt. Offenbar handelt es sich doch um einen Rundbau, aller Wahrscheinlichkeit nach einen mächtigen Turm. Wir sind alle sehr gespannt auf weitere Informationen zu diesem Bauwerk, das in seinen Dimensionen und seiner Lage innerhalb der Ecke der frühmittelalterlichen Umfassungsmauer mehr als ungewöhnlich erscheint. Wir hoffen vor allem, möglichst bald konkrete Datierungsanhaltspunkte zu gewinnen und die Stratigraphie abschließend klären zu können.

Einige Bilder sollen allen Interessierten einen Einblick in die Grabungsarbeiten und die wissenschaftliche Dokumentation der Befunde geben.

Fotos: P. Wolters/Uni Jena

 

Fortstetzung der Wehrmauer nach Osten

Erster Bericht von der laufenden Grabung

13.07.11
Am 11. Juli hat auf dem Veitsberg bei Bad Neustadt a.d. Saale die zweite, von der Friedrich-Schiller-Universität geführte, Grabungskampagne begonnen. Die Grabung wird erneut von der Archäologin Petra Wolters vor Ort geleitet. Sie wird dabei wie im letzten Jahr überwiegend von Studenten der Universität Jena tatkräftig unterstützt. Hinzu gesellen sich zwei erfahrene ungarische Studentinnen von der Universität Budapest, die im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes „Reiterkrieger, Burgenbauer. Die frühen Ungarn und das „Deutsche Reich“ vom 9. bis zum 11. Jahrhundert“ des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, in welches die Grabungen auf dem Veitsberg eingebunden sind, Grabungserfahrung in Deutschland sammeln wollen.
Die gesamte Mannschaft kann auch dieses Jahr wieder die örtliche Kegelbahn in Hohenroth als Unterkunft nutzen, wofür der Gemeinde sehr zu danken ist.

In der ersten Wochenhälfte war das Wetter den angehenden ArchäologInnen gnädig, so dass ohne Probleme dort angepackt werden konnte, wo man im Jahr zuvor aufgehört hatte. Um dennoch gegen Regen geschützt zu sein, wurde am Montag gleich ein großes Tunnelzelt errichtet und über Schnitt 1 platziert. Hier befindet sich unter anderem eine Brandschicht und mehrere massive Steinpackungen – wir sind gespannt, was sich hierbei ergeben wird. Das „Zelt“, sorgte für einige Verwunderung bei der Bevölkerung, glaubte man doch, dass hier eine Plantage gebaut werden würde. Denn wirklich scheint es, als hätten wir ein großen Gewächshaus aufgestellt. Dieses Missverständnis konnte durch persönliche Gespräche mit den vielen interessierten Besuchern vor Ort ausgeräumt werden.

Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele Interessierte vorbeigekommen sind und geben immer gerne Auskunft über unser Tun. Schauen Sie doch mal vorbei! Für die ersten Grabungstage können wir noch keine spektakulären Funde vermelden. Allerdings gelang es schon jetzt, das mächtige Fundament der Wehrmauer weitere drei Meter in Richtung Osten freizulegen.

Autoren: Anna Walther, Rimtautas Dapschauskas und Petra Wolters

 

Feldarbeiten am Veitsberg haben begonnen

Am Montag den 11. Juli 2011 haben wir die Ausgrabungen am Veitsberg wieder aufgenommen. Das Grabungseam besteht aus Studierenden der Universitäten Jena und Budapest unter örtlicher Leitung der Mittelalterarchäologin Petra Wolters, unterstützt durch Projektkoordinator Lukas Werther und den ehrenamtlichen Helfer Lorenz Bauer, der immer für alle kleineren und größeren Notfälle bereit steht. Bei bestem Grabungswetter galt es zuallererst, die Baustelle einzurichten. Dank der tollen Unterstützung durch die Stadt Bad Neustadt und den dortigen Bauhof können wir wieder auf eine optimale Baustelleneinrichtung mit Bauwagen, Materialbus, Wasserfass etc. zurückgreifen. Im zweiten Schritt wurden die seit Grabungsende 2010 mit Strohballen und Geovlies abgedeckten Schnitte erneut geöffnet.

Erfreulicherweise haben alle Befunde, insbesondere die Mauern, den Winter unter dieser Schutzhülle hervorragend überstanden und keinerlei Schäden davongetragen. Die Befunde, vor allem die Steinbefunde, liegen so eindrucksvoll vor dem Betrachter, wie wir sie 2010 verlassen haben.

Dank tatkräftiger Mithilfe aller Beteiligten ist ein Großteil der Grabungsfläche seit Montag abend mit Bogenzelt-Segmenten überdeckt, das der Archäologische Arbeitskreis Rhön-Grabfeld und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege dankenswerterweise zur Verfügung stellten. Dadurch sind wir nun weitgehend wetterunabhängig – ein großer Vorteil auf dem exponierten Sporn.

Dienstag morgen konnten nach diesen Vorarbeiten die eigentlichen Grabungsarbeiten wieder aufgenommen werden und wir hoffen, in Kürze die ersten Neuigkeiten zum Fundplatz bekanntgeben zu können. Die Grabungsmitarbeiter werden gemeinsam den Blog mit Textbeiträgen und Bildmaterial füllen – wir sind gespannt!

Fotos: L. Bauer/P. Wolters

 

Befundsituation der Grabung 2010

Aktuelle Ausgrabungen am Veitsberg 2011

Die Ausgrabungen der Universität Jena erbrachten 2010 in der NW-Ecke des Veitsberges direkt unter der Ackeroberfläche eine Vielzahl von Befunden aus dem Frühen Mittelalter (8.-10./11. Jahrhundert).

Vor allem die zahlreichen gut erhaltenen Mauern, Fundamente und ein Ofen überraschten sehr. Wir hoffen mit den Grabungen 2011 möglichst viele der zahlreichen Fragen zur Datierung und Funktion dieser Strukturen beantworten zu können! Ab 11. Juli 2011 sind wir dafür in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege mit einem Team aus Studierenden der Universitäten Jena, Halle und Budapest wieder am Veitsberg tätig.

Interessierte Besucher sind eingeladen, sich vor Ort individuell über die Ausgrabungen zu informieren oder an einer der Führungen für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene teilzunehmen, die über die Lokalpresse angekündigt werden.

Moderne Vermessungstechnik

Lasermessgerät und Spaten – archäologische Methoden

Für die Ausgrabungen nutzen wir modernste archäologische Methoden, um alle Befunde und Funde detailliert zu dokumentieren. Da jede archäologische Grabung immer auch eine Zerstörung der Hinterlassenschaften im Boden bedeutet, gilt es, diese optimal zu dokumentieren und alle möglichen Informationen exakt und umfassend zu sichern. Neben modernster Vermessungstechnik wie Tachymeter mit GPS-Empfänger hat dabei aber auch traditionelle Dokumentation wie die klassische Handzeichnung ihren festen Platz. Jeder Stein und jede Scherbe kann so auch nach der Ausgrabung genau lokalisiert und anschließend interpretiert werden.

Aus allen Erdschichten werden außerdem Proben entnommen, die später im Labor auf Pflanzenreste, kleinste Tierknochen oder auch Schadstoffbelastungen hin untersucht werden. Auch naturwissenschaftliche Datierungsmethoden wie die Radiokarbonanalyse kommen dabei zum Einsatz. Zusammen mit den geborgenen Keramikscherben, Tierknochen, Eisen- und Steinobjekten gewinnen wir damit eine breite Datenbasis, um das Leben und die Umwelt der Menschen im Frühen Mittelalter zu rekonstruieren.

 

Foto: L. Bauer, Aussengraben im Jahr 2006.

Geschichte der Erforschung

Durch ältere Ausgrabungen durch L. Wamser und L. Bauer war bereits vor Beginn unserer Forschungen bekannt, dass es sich bei dem Veitsberg um eine mehrphasige Anlage des 8./9. bis 10./11. Jahrhunderts mit einer hochmittelalterlichen Nachnutzung handelt.

Neben verschiedenen Teilen der Befestigung mit Steinmauern, mächtigen Gräben und Erdwällen sind Reste der Innenbebauung in Pfosten und Pfosten-Schwellbalkenbauweise, gewerblich genutzte Ofenanlagen und Buntmetallverarbeitung nachgewiesen.

Bereits 2009 wurde durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eine flächige Prospektion der Anlage mittels Magnetik und Bodenradar durchgeführt.
Im Sommer 2010 konnten in einer ersten Grabungskampagne zwei Schnitte im Nordwesten der Hauptburg angelegt werden. In diesem Bereich zeigte die Magnetik besonderes interessante Strukturen, die es zu sondieren und zeitlich sowie funktional einzuordnen galt. Des weiteren sollte die stratigraphische Situation im Westteil der Anlage erforscht werden, um die rekonstruierten Siedlungsphasen der Altgrabung besser einordnen zu können.

Archäologische Forschungen am Veitsberg

Archäologische Forschungen am Veitsberg

Der „Veitsberg“ ist eine frühmittelalterliche Befestigung im Tal der Fränkischen Saale in Unterfranken. Der Zentralort ist Teil der Pfalz Salz, die vom späten 8. bis mittleren 10. Jahrhundert zu den wichtigsten Zentren des Fränkischen Reiches gehört. Die historischen Quellen berichten von über einem Dutzend Königsaufenthalten sowie hochrangigen Gesandtschaften und politische Versammlungen. Der Veitsberg ist Teil dieses wichtigen königlichen Stützpunktes in Franken, zu dem im Frühmittelalter neben der Befestigung auch zahlreiche Siedlungen und Hofstellen mit landwirtschaftlichen Nutzflächen, Kirchen, Wirtschaftseinrichtungen und ein großer Forst gehören.

Seit 2009 hat sich ein Forschungsprojekt der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zum Ziel gesetzt, dieses frühmittelalterliche Zentrum zu erforschen. Die Forschungen erfolgen in enger Kooperation mit der Stadt Bad Neustadt sowie den Gemeinden Hohenroth und Salz, deren exzeptionelle Unterstützung, nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht, und deren herausragendes Interesse an der eigenen Geschichte die Untersuchungen in dieser Form erst möglich machen.

Weitere Informationen zu den Forschungen gibt es unter http://www.ufg.uni-jena.de/Forschung/Aktuelle+Projekte/Fr%C3%BChgeschichte/Veitsberg.html und http://web.rgzm.de/790.html