Oberflächlich betrachtet…

Nun, da auch die letzte der geplanten Grabungskampagnen abgeschlossen ist, sieht der Veitsberg rein oberflächlich betrachtet wieder aus, als wäre nie etwas passiert. Alle Schnitte sind wieder verfüllt, die freigelegten Mauern und Gräben sind nicht mehr sichtbar. Unter dem Humus jedoch liegen die Reste unserer 4-jährigen Arbeit. Sie wurden abgedeckt mit Dernoton, mit Geovlies oder auch manchmal nur mit genau dem gleichen Material, dass wir zuvor mühsam ausgegraben haben.

Manch einer mag sich fragen, ob diese Arbeit nicht enervierend ist, ob nicht das Wissen darum, dass nach der Grabung alles wieder im Boden verschwindet, einem die Arbeit verleidet. Dem ist ganz und gar nicht so, denn wir haben es auf dem Veitsberg sogar mit einer besonders glücklichen Situation zu tun: Bei jeder regulären Grabung ist hinterher wirklich alles weg – die Mauern werden abgebaut, Bauteile entnommen, alle Befunde ausgenommen bis auf den geologisch anstehenden Boden. Denn in der Regel wird nur im Zuge eines Bauvorhabens gegraben, und das bedeutet den Boden „archäologiefrei“ zu hinterlassen. Auf dem Veitsberg hingegen wurde besonders substanzschonend und denkmalerhaltend gearbeitet. Alles könnte rein theoretisch genauso wieder aufgedeckt werden, wie wir es zuvor ausgegraben haben.

Das geht natürlich einher mit einem gewissen Erkenntnisverlust – wir wissen nicht, ob sich nicht vielleicht unter den ergrabenen Mauerzügen ältere Befunde verstecken. Auf der anderen Seite konnte so aber über 1000 Jahre alte Architektur auch für die kommenden Generationen erhalten werden. Und wer weiß: vielleicht versuchen in 100 Jahren Archäologen mit modernerer Technik und verbesserter Methodik noch einmal ihr Glück, dem Geheimnis des Veitsberges auf die Spur zu kommen.

Großer Auftritt für den Veitsberg

Am Montag, den 07. Oktober 2013 fand bei bestem Herbstwetter die abschließende Presseveranstaltung auf dem Veitsberg statt.

Neben den Bürgermeistern (Hr. Bruno Altrichter, Hr. Bernhard Müller, Hr. Gerd Müller, Fr. Anne Zeisner) und ihren Stellvertretern aus Bad Neustadt, Hohenroth und Salz fanden sich der stellvertretende Landrat Helmut Will, der LEADER-Manager Wolfgang Fuchs sowie die ehemalige und jetztige Kulturreferentin aus Bad Neustadt (Fr. Gisela Sendner und Fr. Roswitha Altrichter) ein. Alle archäologischen Belange wurden durch Hr. Andreas Büttner vom BLfD, Hr. Prof. Peter Ettel von der Universität Jena, Hr. Michael Herdick vom RGZM, Lukas Werther von der Universität Jena und der Grabungsleitung, Petra Wolters, vertreten.

Zahlreiche Pressevertreter erschienen vor Ort, um sich über die Ausgrabungen zu informieren. Neben den Mitarbeitern der lokalen Presse, die von Anfang an regelmäßig über das Forschungsprojekt berichteten, traf auch ein Filmteam des BR auf dem Veitsberg ein, um Aufnahmen für die Abendschau zu drehen (http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/grabungen-herrschaftszentrum-veitsberg-100.html). Darüber hinaus berichtete die überregionale Presse, die Welt und die Süddeutsche Zeitung, über die hervorragenden Forschungsergebnisse dieses im Frühen Mittelalter so wichtigen Platzes.

Die Präsentation der Publikation „Zentrale Orte und zentrale Räume des Frühmittelalters“, rundete den Pressetermin ab. Darin sind die Ergebnisse der im Herbst 2011 in Bad Neustadt abgehaltenen Tagung nachzulesen, in der die Pfalz Salz mit anderen frühmittelalterlichen Zentralorten verglichen wird.

Ein Alleinstellungsmerkmal und sicherlich richtungsweisend für den Umgang mit Bodendenkmälern in Bayern ist das langfristige Schutzkonzept. Zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege haben die Kommunen Salz, Hohenroth und Bad Neustadt bereits einen Teil der nach wie vor landwirtschaftlich genutzten Grundstücke angekauft, um so das Denkmal für die Nachwelt zu erhalten.

Dieser Flächenankauf ist zugleich Grundlage für die geplante Inwertsetzung des Geländes: um Besuchern auch zukünftig einen Eindruck der imposanten Anlage auf dem Veitsberg vermitteln zu können sollen die Dimensionen und der Grundriss im Gelände kenntlich und durch zusätzliche Informationen erlebbar gemacht werden.

 

Treten Sie ein – Eingang ins Mittelalter

Ein letztes Mal konnten sich am 3. Oktober 2013 zahlreiche Besucher die Originalbefunde auf dem Veitsberg anschauen.

Besonders beeindruckte dabei das jüngst aufgedeckte Pflaster in der südlichen Ecke der Anlage, das in direkter Fortsetzung eines Hohlweges hangabwärts die kürzeste Verbindung in das Saaletal und zu den Siedlungen Binsenhausen und Mühlstatt darstellt.

Die in diesem Bereich ergrabenen Funde – darunter auch Fensterglas und rheinländische Importkeramik – belegen einmal mehr die hochwertige Ausstattung der Anlage.

Einladung zur öffentlichen Grabungsführung am 3. Oktober 2013

Am 3. Oktober finden die abschließenden Grabungsführungen auf dem Veitsberg statt. Um 11.00 und um 14.00 Uhr werden die Ergebnisse der diesjährigen Grabungskampagne vorgestellt und die Arbeiten näher erläutert.

In der südlichen Ecke der Anlage wird die Umfassungsmauer mit Ecksituation und weiterer Steinbebauung zu sehen sein, die Fortsetzung des Turmes kann in der Nordwestecke bewundert werden und das eindrucksvolle Grabenprofil liefert einen ersten Eindruck der Vorburgbefestigung. Eine Auswahl des geborgenen Fundmaterials zeigt die qualitätvolle Ausstattung der Anlage.

 

Das Grabungsteam 2013 freut sich auf Ihren Besuch!

Aller Guten Dinge sind drei – letzte Grabungsflächen auf dem Veitsberg

Vor gut einer Woche wurden auf dem Veitsberg die letzten Grabungsschnitte für dieses Jahr geöffnet. Sowohl in der Nord als auch in der Südecke der Anlage wurden insgesamt drei Flächen vom Oberboden befreit.

Nach dem Putzen der Flächen, deuten sich in der Nordecke jeweils die Umfassungsmauer und die im Luftbild erkennbaren inneren Gräben an. Durch Bohrungen mit dem Pürckhauer-Bohrstock können diese Ergebnisse abgesichert werden, auch ohne flächig in das Bodendenkmal einzugreifen. Dabei wird ein 1 Meter langer Hohlmeißel aus Stahl in den Boden getrieben, in dessen ausgehöhltem Schaft das Erdmaterial durch den Einschlagdruck hängen bleibt. Nach dem Ziehen des Bohrstocks können dann die nach unten folgenden Schichten bestimmt werden.

Im Schnitt zwischen den im letzten Jahr geöffneten Flächen 6 und 7 in der Südecke, zeigt sich nach dem Humusabtrag mit dem Bagger fast flächig ein Steinversturz. Bislang ist zwar keine Struktur erkennbar, doch bereits jetzt wird deutlich, dass sich an dieser Stelle eine massive Steinbebauung befunden haben muss.

Im Vorburggraben haben wir mittlerweile die Grabensohle erreicht und auch in Schnitt 3, der östlich des ergrabenen Turmrundes liegenden Fläche, konnte trotz des anhaltenden Regens dank eines improvisierten Notdaches aus Planen, der innere Graben weiter abgetieft werden.

 

Nachwuchsarchäologen auf dem Veitsberg

In den letzen 2 Augustwochen bekam die Grabungsmannschaft auf dem Veitsberg Unterstützung von den Nachwuchsarchäologen aus Bad Königshofen und Bad Neustadt. Insgesamt fast 40 Kinder besuchten an 2 Tagen die laufende Ausgrabung und erfuhren dabei, was es über die Anlage auf dem Veitsberg zu wissen gibt, aber auch wie Archäologie überhaupt funktioniert.

Das theoretisch erlernte Wissen konnten die Nachwuchsarchäologen dann zusammen mit Ihren grabungserfahrenen Kollegen gleich am Originalbefund in die Praxis umsetzen. Vom Pickeln, über das Freiputzen der Befunde mit der Kelle bis hin zum zeichnen und nivellieren wurde jeder Arbeitsschritt, der für eine exakte Dokumentation auf einer Ausgrabung notwendig ist geübt. Und wie die „Großen“, so stellten auch unsere kleinen Kollegen bald fest, dass der eine lieber pickelt, während dem anderen das Zeichnen leicht von der Hand geht – beim Nivellieren scheiden sich die Geister vollends, denn hier gilt es zu rechnen.

Trotzdem hatten Groß und Klein Spaß und wurden, nachdem auch die geborgenen Funde begutachtet und datiert waren, zuguterletzt mit einer Brotzeit belohnt.

Im Osten was Neues

 

In einem schmalen Schnitt auf der bislang völlig unerforschten Ostseite der Anlage, gelang nun ebenfalls der Nachweis der steinernen Umfassungsmauer.

Wenn auch stark gestört – die übrig gebliebenen Steine befinden sich maximal 10 cm unter der rezenten Ackerkrumme – so ist dennoch der Verlauf eindeutig. Mörtelreste und einige größere Steine markieren deutlich die Lage der ehemaligen Mauer.

Am kastellartigen Grundriss der Anlage mit einem Mauerbering auf allen vier Seiten des Bergspornes bestehen nun kaum mehr Zweifel.

Präsentation der ersten Ergebnisse

 

Wieder fanden sich am 15. August zahlreiche interessierte Besucher auf dem Veitsberg ein, um sich über die ersten neuen Ergebnisse der diesjährigen Grabungskampagne zu informieren.

Erklärt wurden aber nicht nur die neuen Befunde, sondern auch die Forschungsgeschichte, historische Zusammenhänge und vor allem auch die Vorgehensweise archäologischer Ausgrabungen.

Abgerundet wurden die Führungen durch die Präsentation einiger Funde und einer kleinen Einführung in Datierungsmethoden.

Das Grabungsteam freute sich über die vielen Fragen von Groß und Klein, denn sie machen das Interesse am Veitsberg, der eigenen Geschichte und der Archäologie mehr als deutlich.

 

Das größtenteils ausgebrochene Turmrund in Schnitt 8. Deutlich erkennbar ist die halbkreisförmige Brandschicht im Inneren des Turmes.

Turm und Graben am Ende der dritten Grabungswoche

Am Ende der dritten Grabungswoche haben wir die Grabensohle erreicht, die mit knapp 3,50 Metern etwas weniger tief ist, als in der Grabung von 1984. Der Graben ist in den anstehenden Fels eingetieft – eine ungeheuere Kraftanstrengung beim Bau!

Im Schnitt 8 (Turmfortsetzung) zeigt sich das Turmrund perfekt, wenn auch größtenteils leider nur als Ausbruchgrube. Im Turminneren liegt flächig die bereits aus 2012 bekannte Brandschicht. Im Westen stößt der Turm wie erwartet mit der Umfassungsmauer zusammen.

 

Öffentlichen Grabungsführungen 2013

Schon im letzten Jahr, waren Teile des fast 5 Meter tiefen Grabens zu sehen. In diesem Jahr wollen wir bis auf die Grabensohle.

Auch in diesem Jahr wird die Grabungsmannschaft auf dem Veitsberg wieder öffentliche Grabungsführungen anbieten und zwar am 15. August und am 3. Oktober 2013. Jeweils um 11.00 und um 14.00 Uhr werden die die bisherigen Ergebnisse vorgestellt und die Arbeiten erläutert.

Das Grabungsteam freut sich auf Ihren Besuch!