Alte Amtskellerei – Vom mittelalterlichen Finanzamt zum modernen Kulturzentrum

In der Sitzung vom 02.05.2018 beschloss der Stadtrat einstimmig, einen Architekturwettbewerb auszuschreiben, der die Umnutzung des seit Jahren größtenteils leer stehenden Gebäudes in der Altstadt zum Ziel hat.

Die Alte Amtskellerei war einst Sitz der bischöflichen Beamten, die dort Abgaben und Steuern, insgesamt die Finanzen des Ortes für ihren Landesherren verwalteten. Der älteste Gebäudeteil, das sogenannte Hohe Haus, ist durch Schriftquellen und dendrochronologisch in die Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Größere Umbauten erfolgten im Jahr 1570, wovon auch eine Inschrift zeugt. Als jüngster Teil ist der Querriegel der Dreiflügelanlage in seiner jetzigen Form anzusprechen, der allerdings wie der Südwestflügel auch, ursprünglich im frühen 17. Jahrhundert entstanden sein dürfte. Ab 1817 bis 1996 wurde das Gebäude als Gefängnis genutzt, wodurch sich das Erscheinungsbild des Baukörpers grundlegend veränderte. 2016 kaufte die Stadt Bad Neustadt dieses älteste Anwesen im Ort, um es einer öffentlichen Nutzung zuzuführen.

Zur Erarbeitung eines Konzepts wurde eine Steuerungsgruppe mit Vertretern der Fraktionen sowie der Verwaltung gebildet. Diese hat sich seit November 2018 intensiv mit den verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten befasst. Dabei haben sich die inhaltlichen Schwerpunkte Museum und Stadtbibliothek herauskristallisiert, die durch eine multifunktionale Kommunikationszone (Foyer/Café/Veranstaltungsräume) miteinander verbunden sein sollen. Um diese verschiedenen Nutzungen in dem stark überformten und denkmalgeschützten Gebäude zu integrieren, bedarf es einer innovativen planerischen Idee, weshalb ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden soll. Die Wettbewerbsausschreibung wird durch das das Büro Holl Wieden Partnerschaft, Stadtplaner und Architekten aus Würzburg begleitet. Rund 1700 qm Nutzfläche sind zu überplanen, wovon 650 qm für die Ausstellungen, 500 qm für die Bibliothek, 140 qm für die zentrale Kommunikationszone und weitere 120 qm für die Multifunktionsräume vorgesehen sind.

Claudia Scheler, Diplom Bibliothekarin und Leiterin der Stadtbibliothek präsentierte ihren Konzeptentwurf für eine neue Stadtbibliothek. Sie definierte eine Bibliothek  von Klein bis Groß mit dem Leitbild „Bildung und Kultur –moderne, digitale integrative Stadtbibliothek“. Anschließend stellte sie die daraus definierten Stärken der neuen Stadtbibliothek heraus: individuell ausgewähltes Medienangebot, qualitativ hochwertige Leseförderung, Bereitstellung von digitalen Medien rund um die Uhr, Vermittlung weiterführender Medienkompetenzen, zielgruppengerechte Veranstaltungen und Treffpunkt für Jedermann. Des Weiteren sollen Lese- und Studierplätze in das Konzept integriert werden.

Petra Wolters, Archäologin und Museologin, stellte die Museumsinhalte vor, wie sie sich in der Steuerungsgruppe herauskristallisiert hatten. Ausgehend vom Sammlungsbestand der Stadt Bad Neustadt, können zwei große Themenbereiche in der Dauerausstellung dargestellt werden – die frühmittelalterliche Königspfalz Salz und die jüngere Stadtgeschichte vom 13. Jahrhundert bis heute. Durch Wechselausstellungen zu verschiedensten Themen, die sich aus Bürgerwünschen, Spezialsammlungen oder -themen generieren können, wird das Ausstellungsangebot ergänzt. Eine Schülerumfrage quer durch alle Klassenstufen, bei der Kenntnisse, Interessen, Erwartungen und Ideen bezüglich solch einer Ausstellung in Erfahrung gebracht werden sollen, läuft momentan.

Am Tag des offenen Denkmals, den 8. September 2019, wird die Alte Amtskellerei allen interessierten Bürgen offenstehen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an claudia.scheler@bad-neustadt.de oder petra.wolters@bad-neustadt.de

Das sogenannte Hohe Haus, der älteste Teil des Alten Würzburger Amtskellers aus dem 14. Jahrhundert, überragt die übrigen Dächer Bad Neustadts bei Weitem. Aus dem wehrhaften Ausbau dieses bischöflichen Anwesens resultiert der Name „Fronhof“. Aufnahme Ende der 1970er Jahre (© Stadtarchiv Bad Neustadt a.d. Saale).

Zweimal gefunden – Archäologie im Depot

Bei der Inventarisierung und Durchsicht der städtischen Sammlung Bad Neustadts, konnte ein archäologischer Fund gemacht werden: zwei komplett erhaltene Miniaturgefäße fanden sich inmitten von Spinnrädern und altem Handwerksgerät. Nachforschungen im Archiv ergaben, dass der ehemalige Pfarrer von Brendlorenzen, Dr. Alois Schebler, die Gefäße in der ehemaligen Tongrube Gessner, dem heutigen Gelände der Fa. Wienerberger, fand. Der Zeitpunkt der Auffindung dürfte zwischen 1938 und 1945 liegen, da Hr. Schebler nur in diesem Zeitraum die Pfarrei betreute.

Es handelt sich um recht ungewöhnliche Formen. Vor allem für das Gefäß mit dem Kugelboden finden sich derzeit keine direkten Parallelen. Aus diesem Grunde und auch, weil keine weiteren Informationen zum Fundort vorliegen, sind sich die Experten bei der zeitlichen Einordung der Gefäße nicht ganz einig. Sicherlich ist die Keramik als vorgeschichtlich einzustufen. Die Vorschläge reichen von der Michelsberger Kultur (Neolithikum, etwa 4400 bis 3500 v. Chr.), über die Hallstattzeit (etwa 800 – 450 v. Chr.) bis zur direkt anschließenden La-Tène-Zeit (etwa 450 v. Chr. bis um Christi Geburt).

In jedem Fall handelt es sich bei den Gefäßen um zwei wirklich sehr schöne Exemplare, die einmal mehr beweisen, dass die Ästhetik der Dinge keine Erfindung der Neuzeit ist.

Frohe Weihnachten!

Neustadt in Mainhattan

Sagenhafter Fund im Archiv

Für die Präsentation der Geschichte des Neustädter Beckens werden momentan die vorhandenen Sammlungen der Stadt Bad Neustadt systematisch nach potentiellen Ausstellungsstücken durchsucht und inventarisiert. Momentan steht der reiche Bestand des Stadtarchivs im Fokus.

Dabei wurden zwei Bilder des nach dem Krieg in Brendlorenzen lebenden Künstlers Eugen Jeschke (*14. August 1913 in Lodz; †26. August 1965 in Brendlorenzen) entdeckt, die eine der zahlreichen Sagen über den Veitsberg zum Thema haben. Die Sage erzählt von einem ehemaligen Nonnenkloster auf dem Berg – ein Mythos, der um 1800 entsteht und ab diesem Zeitpunkt auch Eingang in zahlreiche Sagensammlungen und Lexikoneinträge findet.

 

Die von Jeschke dargestellte Sage berichtet über eine besondere Brücke nach Salz:

„Wenn im Kloster kein eigener Geistlicher war, dann besuchten die Nonnen in einer Reihe gehend die Heilige Messe in der Kirche zu Salz. Nun geschah es einmal, dass der Steg über die Saale durch Hochwasser überflutet war. Die Nonnen standen ratlos vor dem rauschenden Fluss. In ihrer Not beteten sie zu Gott um Hilfe. Danach bemerkte die Äbtissin, wie eine Spinne ihren Faden über das Wasser zog. Ihr deuchte ein Wink von oben. Sie prüfte die Stärke des Fadens und trat mit den Füßen darauf. Der Faden riss nicht. Nun schritten die Nonnen über diese seltsame Brücke. Verwundert schauten die Leute drein, wenn die Nonnen vom Veitsberg über dem Wasser schwebend zur Kirche schritten. Nun war unter den Nonnen eine, die sah gern nach einem Burschen von Salz. Der fragte sie nach der geheimnisvollen Brücke und sie verriet ihm das Gewebe der Spinne. Vor seinen Augen bestieg sie die Wunderbrücke und wollte darüber schreiten. Da tat sie einen Fehltritt und stürzte in den Fluss. Ein großer Fisch schnappte nach ihrem Kopf und zog die Nonne in die Tiefe.“

 

Die colorierte Bleistiftzeichnung entstand 1954, das Aquarell kam 1979 durch eine Schenkung in den Besitz der Stadt Bad Neustadt. Posthum ehrte die Stadt Bad Neustadt Eugen Jeschke durch die Benennung einer Straße nach ihm.

 

Die Forschungen im Pfalzgebiet gehen weiter!

Die letzten zwei Jahre war es in der Öffentlichkeit und auch auf dieser Website sehr ruhig geworden bezüglich der Forschungen im Pfalzgebiet Salz. Im Hintergrund ist jedoch viel passiert: drei Doktorarbeiten und eine Bachelor-Arbeit zu verschiedenen Fragestellungen der Königspfalz wurden fertiggestellt. Sie umfassen die Themen „Königsgut und Pfalz Salz im Früh- und Hochmittelalter“ (Dr. Lukas Werther), „Von Karlburg nach Salz – Interdisziplinäre Studien zu den Wasserwegen Mittelmain und Fränkische Saale im Früh‐ und Hochmittelalter“ (Dr. des Andreas Wunschel), „Die Befestigung auf dem Veitsberg“ (Petra Wolters M.A.) und schließlich die Auswertung der 2011 ausgegrabenen frühmittelalterlichen Grubenhäuser bei der Kirche St. Johannes der Täufer in Brendlorenzen (Anna Dehen BA). Daneben liefen zahlreiche kleinere naturwissenschaftliche Untersuchungen zu den Umwelt- und Lebensbedingungen im Pfalzgebiet, zuletzt 2017 die Bohrungen im Hohenrother See, um Umweltbedingungen sowie Landschaftsveränderungen im Neustädter Becken zu klären. Die Laboruntersuchungen dauern noch an – Wissenschaft ist manchmal langwierig und mühsam.

Doch jetzt geht es weiter! Bis 2021 sind zahlreiche neue Untersuchungen in Form von Begehungen, Bohrungen, Magnetikmessungen und kleineren Grabungen im ganzen Neustädter Becken geplant. Nach wie vor bestehen Wissenslücken, die, so hoffen wir, durch gezielte kleinere Maßnahmen gefüllt werden können. Daneben sollen die bisherigen Ergebnisse publiziert und so allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Auch über eine museale Präsentation der Ergebnisse wird nachgedacht. Kooperationspartner sind nach wie vor die Gemeinden Salz und Hohenroth, die Stadt Bad Neustadt, die Friedrich-Schiller-Universität Jena vertreten durch den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Und schließlich wird hier auf dieser Seite wieder häufiger etwas wirklich „Aktuelles“ zu lesen sein.

Älteste (Martins-)Gans aus der Zeit Karls der Großen archäologisch nachgewiesen

Archäologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben zusammen mit dem Archäozoologen Dr. Hans-Volker Karl passend zum Martinstag in einem Gebäude der Karolingerzeit unweit der Kirche von Brendlorenzen die Reste einer (Martins-)Gans nachgewiesen. Die Knochen der Gans (Anser anser f. domesticus) fanden sich auf dem Boden des eingetieften Hauses zusammen mit einem fast vollständigen Keramikgefäß. Möglicherweise handelt es sich um die Reste einer Mahlzeit, da aus derselben Schicht laut Analyse der Archäobotanikern Barbara Zach auch verkohlte Reste einer getreidehaltigen Speise vorliegen: Brot, Brei – oder vielleicht die Semmelklöße zur Gans?

Schriftquellen aus der Zeit Karls des Großen wie das Capitulare de Villis belegen, dass Gänse in Königshöfen in großer Zahl gehalten werden sollten. Sie dienten nicht nur als Nahrung sondern wurden vor allem aufgrund ihrer Federn gehalten, um warme Decken für den König und seine Familie zu füllen. Aus der Pfalz Salz liegt nun mit dem Neufund aus Brendlorenzen der erste Nachweis für Gänsehaltung bereits um das Jahr 800 vor.

Prof. Dr. Peter Ettel, Dr. Lukas Werther, Petra Wolters M.A. in Zusammenarbeit mit Dr. Hans-Volker Karl und Dipl. Biol. Barbara Zach

Unterwegs im Lebensraum für Könige

Die Ergebnisse der Forschungen im Pfalzgebiet Salz können seit Anfang diesen Jahres auf eigene Faust erkundet werden. An 11 Stationen finden sich Informationstafeln, die eine kurze Zusammenfassung der neuesten Forschungsergebnisse bieten. Die in der Karte markierten Tafelstandorte verweisen auf Plätze, an denen sich bis heute Überreste dieses ausgedehnten Herrschaftskomplexes greifen lassen.

Wer tiefer in die Geschichte der Pfalz Salz eintauchen möchte, findet eine Ergänzung zu den Informationstafeln in einem Kurzführer, der in der örtlichen Buchhandlung Papier Schmitt am Rathaus und in der Tourist Information erhältlich ist.

Von lauten Schlägen, Impulsen und Wellen

Anstatt die Ruhe der Auenwiesen rund um die Fränkische Saale bei einer gemütlichen Radfahrt von Bad Neustadt nach Niederlauer genießen zu können, hörte man Ende Juli dort zahlreiche dumpfe Schläge und musste sich wundern … was war los? Archäologen und Geophysiker haben sich zusammengetan um der Fränkischen Saale versteckte Geheimnisse zu entlocken.
Im Rahmen des Forschungsprojektes „Studien zu den Binnenhäfen im fränkisch-deutschen Reich als Knotenpunkte europäischer Kommunikationsnetzwerke (500-1250)“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind Archäologen der Universität Jena und Geophysiker der Universität Kiel gemeinsam der Frage nach dem mittelalterlichen Verlauf der Fränkischen Saale auf der Spur.
Hierbei kam bewährtes Hightechgerät zum Einsatz, dass es erlaubt ohne einen einzigen Spatenstich mehrere Meter tief in den Untergrund zu blicken.
So werden bei der Hammerschlagseismik seismische Wellen erzeugt, deren Laufzeiten und Energie nach einer Brechung/Reflexion an Bodenschichtgrenzen gemessen werden. Unterstützt wurde diese Methode durch die Geoelektrik. Hierbei werden nach Erzeugung eines elektrischen Feldes spezifische Widerstände z. B. unterschiedlicher Bodenschichten im Untergrund gemessen und visualisiert.

Und die Daten sehen vielversprechend aus! Anomalien in den Messergebnissen lassen Rückschlüsse auf ehemalige Fließrinnen des Flusses zu. Sie sind nun spannender Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Klar Schiff und volle Kraft voraus … !

Bereits 2009 setzten neben den Arbeiten auf dem Veitsberg auch die ersten Untersuchungen der Universität Jena im Talraum der Fränkischen Saale zwischen Salz und Niederlauer ein. Die durch Lukas Werther geleiteten Forschungen bauten in großen Teilen auf die wertvollen Vorarbeiten der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Rhön-Grabfeld – insbesondere Lorenz Bauer – auf und konzentrierten sich auf den Bereich der früh- und hochmittelalterlichen Siedlungswüstung Mühlstatt/Binsenhausen. Neben geomagnetischen Untersuchungen wurden Feldbegehungen, Bohrungen und kleinere Grabungen durchgeführt.
Durch die Einbindung in das Ende 2012 angelaufene Forschungsprojekt „Studien zu den Binnenhäfen im fränkisch-deutschen Reich als Knotenpunkte europäischer Kommunikationsnetzwerke (500-1250)“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnten diese Forschungen deutlich ausgeweitet werden.
Zentrale Fragen sind dabei, ob der Pfalzkomplex im Frühmittelalter über den Wasserweg erreichbar war und ob im Neustädter Becken ein Hafen existierte.
Um diese Fragen zu klären müssen das Erscheinungsbild und die Lage der Fränkischen Saale in der entsprechenden Zeit bekannt sein. Hierfür arbeiten die Archäologen mit Geographen der Universität Dresden Hand in Hand.
Seit Beginn des Projekts werden auf den Auewiesen rund um die Fränkische Saale Bohrungen durchgeführt. Hierfür werden unter anderem hohle Edelstahlröhren mit dem Bohrhammer mehrere Meter in den Boden getrieben. Wieder an der Oberfläche folgt die Ansprache und Beschreibung der gewonnenen Bohrkerne, deren fotografische Dokumentation sowie Beprobungen um nachträgliche Laboranalysen folgen zu lassen. So kann die Flusslandschaft im Frühmittelalter Schritt für Schritt rekonstruiert werden.

Weiterführende Links zu diesem Projekt:

–          http://www.spp-haefen.de/de/die-projekte/binnenhaefen-im-fraenkisch-deutschen-reich/

–          http://www.ufg.uni-jena.de/Forschung/Aktuelle+Projekte/Fr%C3%BChgeschichte/Binnenh%C3%A4fen.html