Frohe Weihnachten!

Neustadt in Mainhattan

Sagenhafter Fund im Archiv

Für die Präsentation der Geschichte des Neustädter Beckens werden momentan die vorhandenen Sammlungen der Stadt Bad Neustadt systematisch nach potentiellen Ausstellungsstücken durchsucht und inventarisiert. Momentan steht der reiche Bestand des Stadtarchivs im Fokus.

Dabei wurden zwei Bilder des nach dem Krieg in Brendlorenzen lebenden Künstlers Eugen Jeschke (*14. August 1913 in Lodz; †26. August 1965 in Brendlorenzen) entdeckt, die eine der zahlreichen Sagen über den Veitsberg zum Thema haben. Die Sage erzählt von einem ehemaligen Nonnenkloster auf dem Berg – ein Mythos, der um 1800 entsteht und ab diesem Zeitpunkt auch Eingang in zahlreiche Sagensammlungen und Lexikoneinträge findet.

 

Die von Jeschke dargestellte Sage berichtet über eine besondere Brücke nach Salz:

„Wenn im Kloster kein eigener Geistlicher war, dann besuchten die Nonnen in einer Reihe gehend die Heilige Messe in der Kirche zu Salz. Nun geschah es einmal, dass der Steg über die Saale durch Hochwasser überflutet war. Die Nonnen standen ratlos vor dem rauschenden Fluss. In ihrer Not beteten sie zu Gott um Hilfe. Danach bemerkte die Äbtissin, wie eine Spinne ihren Faden über das Wasser zog. Ihr deuchte ein Wink von oben. Sie prüfte die Stärke des Fadens und trat mit den Füßen darauf. Der Faden riss nicht. Nun schritten die Nonnen über diese seltsame Brücke. Verwundert schauten die Leute drein, wenn die Nonnen vom Veitsberg über dem Wasser schwebend zur Kirche schritten. Nun war unter den Nonnen eine, die sah gern nach einem Burschen von Salz. Der fragte sie nach der geheimnisvollen Brücke und sie verriet ihm das Gewebe der Spinne. Vor seinen Augen bestieg sie die Wunderbrücke und wollte darüber schreiten. Da tat sie einen Fehltritt und stürzte in den Fluss. Ein großer Fisch schnappte nach ihrem Kopf und zog die Nonne in die Tiefe.“

 

Die colorierte Bleistiftzeichnung entstand 1954, das Aquarell kam 1979 durch eine Schenkung in den Besitz der Stadt Bad Neustadt. Posthum ehrte die Stadt Bad Neustadt Eugen Jeschke durch die Benennung einer Straße nach ihm.

 

Die Forschungen im Pfalzgebiet gehen weiter!

Die letzten zwei Jahre war es in der Öffentlichkeit und auch auf dieser Website sehr ruhig geworden bezüglich der Forschungen im Pfalzgebiet Salz. Im Hintergrund ist jedoch viel passiert: drei Doktorarbeiten und eine Bachelor-Arbeit zu verschiedenen Fragestellungen der Königspfalz wurden fertiggestellt. Sie umfassen die Themen „Königsgut und Pfalz Salz im Früh- und Hochmittelalter“ (Dr. Lukas Werther), „Von Karlburg nach Salz – Interdisziplinäre Studien zu den Wasserwegen Mittelmain und Fränkische Saale im Früh‐ und Hochmittelalter“ (Dr. des Andreas Wunschel), „Die Befestigung auf dem Veitsberg“ (Petra Wolters M.A.) und schließlich die Auswertung der 2011 ausgegrabenen frühmittelalterlichen Grubenhäuser bei der Kirche St. Johannes der Täufer in Brendlorenzen (Anna Dehen BA). Daneben liefen zahlreiche kleinere naturwissenschaftliche Untersuchungen zu den Umwelt- und Lebensbedingungen im Pfalzgebiet, zuletzt 2017 die Bohrungen im Hohenrother See, um Umweltbedingungen sowie Landschaftsveränderungen im Neustädter Becken zu klären. Die Laboruntersuchungen dauern noch an – Wissenschaft ist manchmal langwierig und mühsam.

Doch jetzt geht es weiter! Bis 2021 sind zahlreiche neue Untersuchungen in Form von Begehungen, Bohrungen, Magnetikmessungen und kleineren Grabungen im ganzen Neustädter Becken geplant. Nach wie vor bestehen Wissenslücken, die, so hoffen wir, durch gezielte kleinere Maßnahmen gefüllt werden können. Daneben sollen die bisherigen Ergebnisse publiziert und so allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Auch über eine museale Präsentation der Ergebnisse wird nachgedacht. Kooperationspartner sind nach wie vor die Gemeinden Salz und Hohenroth, die Stadt Bad Neustadt, die Friedrich-Schiller-Universität Jena vertreten durch den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Und schließlich wird hier auf dieser Seite wieder häufiger etwas wirklich „Aktuelles“ zu lesen sein.

Älteste (Martins-)Gans aus der Zeit Karls der Großen archäologisch nachgewiesen

Archäologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben zusammen mit dem Archäozoologen Dr. Hans-Volker Karl passend zum Martinstag in einem Gebäude der Karolingerzeit unweit der Kirche von Brendlorenzen die Reste einer (Martins-)Gans nachgewiesen. Die Knochen der Gans (Anser anser f. domesticus) fanden sich auf dem Boden des eingetieften Hauses zusammen mit einem fast vollständigen Keramikgefäß. Möglicherweise handelt es sich um die Reste einer Mahlzeit, da aus derselben Schicht laut Analyse der Archäobotanikern Barbara Zach auch verkohlte Reste einer getreidehaltigen Speise vorliegen: Brot, Brei – oder vielleicht die Semmelklöße zur Gans?

Schriftquellen aus der Zeit Karls des Großen wie das Capitulare de Villis belegen, dass Gänse in Königshöfen in großer Zahl gehalten werden sollten. Sie dienten nicht nur als Nahrung sondern wurden vor allem aufgrund ihrer Federn gehalten, um warme Decken für den König und seine Familie zu füllen. Aus der Pfalz Salz liegt nun mit dem Neufund aus Brendlorenzen der erste Nachweis für Gänsehaltung bereits um das Jahr 800 vor.

Prof. Dr. Peter Ettel, Dr. Lukas Werther, Petra Wolters M.A. in Zusammenarbeit mit Dr. Hans-Volker Karl und Dipl. Biol. Barbara Zach

Unterwegs im Lebensraum für Könige

Die Ergebnisse der Forschungen im Pfalzgebiet Salz können seit Anfang diesen Jahres auf eigene Faust erkundet werden. An 11 Stationen finden sich Informationstafeln, die eine kurze Zusammenfassung der neuesten Forschungsergebnisse bieten. Die in der Karte markierten Tafelstandorte verweisen auf Plätze, an denen sich bis heute Überreste dieses ausgedehnten Herrschaftskomplexes greifen lassen.

Wer tiefer in die Geschichte der Pfalz Salz eintauchen möchte, findet eine Ergänzung zu den Informationstafeln in einem Kurzführer, der in der örtlichen Buchhandlung Papier Schmitt am Rathaus und in der Tourist Information erhältlich ist.

Von lauten Schlägen, Impulsen und Wellen

Anstatt die Ruhe der Auenwiesen rund um die Fränkische Saale bei einer gemütlichen Radfahrt von Bad Neustadt nach Niederlauer genießen zu können, hörte man Ende Juli dort zahlreiche dumpfe Schläge und musste sich wundern … was war los? Archäologen und Geophysiker haben sich zusammengetan um der Fränkischen Saale versteckte Geheimnisse zu entlocken.
Im Rahmen des Forschungsprojektes „Studien zu den Binnenhäfen im fränkisch-deutschen Reich als Knotenpunkte europäischer Kommunikationsnetzwerke (500-1250)“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind Archäologen der Universität Jena und Geophysiker der Universität Kiel gemeinsam der Frage nach dem mittelalterlichen Verlauf der Fränkischen Saale auf der Spur.
Hierbei kam bewährtes Hightechgerät zum Einsatz, dass es erlaubt ohne einen einzigen Spatenstich mehrere Meter tief in den Untergrund zu blicken.
So werden bei der Hammerschlagseismik seismische Wellen erzeugt, deren Laufzeiten und Energie nach einer Brechung/Reflexion an Bodenschichtgrenzen gemessen werden. Unterstützt wurde diese Methode durch die Geoelektrik. Hierbei werden nach Erzeugung eines elektrischen Feldes spezifische Widerstände z. B. unterschiedlicher Bodenschichten im Untergrund gemessen und visualisiert.

Und die Daten sehen vielversprechend aus! Anomalien in den Messergebnissen lassen Rückschlüsse auf ehemalige Fließrinnen des Flusses zu. Sie sind nun spannender Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Klar Schiff und volle Kraft voraus … !

Bereits 2009 setzten neben den Arbeiten auf dem Veitsberg auch die ersten Untersuchungen der Universität Jena im Talraum der Fränkischen Saale zwischen Salz und Niederlauer ein. Die durch Lukas Werther geleiteten Forschungen bauten in großen Teilen auf die wertvollen Vorarbeiten der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Rhön-Grabfeld – insbesondere Lorenz Bauer – auf und konzentrierten sich auf den Bereich der früh- und hochmittelalterlichen Siedlungswüstung Mühlstatt/Binsenhausen. Neben geomagnetischen Untersuchungen wurden Feldbegehungen, Bohrungen und kleinere Grabungen durchgeführt.
Durch die Einbindung in das Ende 2012 angelaufene Forschungsprojekt „Studien zu den Binnenhäfen im fränkisch-deutschen Reich als Knotenpunkte europäischer Kommunikationsnetzwerke (500-1250)“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnten diese Forschungen deutlich ausgeweitet werden.
Zentrale Fragen sind dabei, ob der Pfalzkomplex im Frühmittelalter über den Wasserweg erreichbar war und ob im Neustädter Becken ein Hafen existierte.
Um diese Fragen zu klären müssen das Erscheinungsbild und die Lage der Fränkischen Saale in der entsprechenden Zeit bekannt sein. Hierfür arbeiten die Archäologen mit Geographen der Universität Dresden Hand in Hand.
Seit Beginn des Projekts werden auf den Auewiesen rund um die Fränkische Saale Bohrungen durchgeführt. Hierfür werden unter anderem hohle Edelstahlröhren mit dem Bohrhammer mehrere Meter in den Boden getrieben. Wieder an der Oberfläche folgt die Ansprache und Beschreibung der gewonnenen Bohrkerne, deren fotografische Dokumentation sowie Beprobungen um nachträgliche Laboranalysen folgen zu lassen. So kann die Flusslandschaft im Frühmittelalter Schritt für Schritt rekonstruiert werden.

Weiterführende Links zu diesem Projekt:

–          http://www.spp-haefen.de/de/die-projekte/binnenhaefen-im-fraenkisch-deutschen-reich/

–          http://www.ufg.uni-jena.de/Forschung/Aktuelle+Projekte/Fr%C3%BChgeschichte/Binnenh%C3%A4fen.html

 

Oberflächlich betrachtet…

Nun, da auch die letzte der geplanten Grabungskampagnen abgeschlossen ist, sieht der Veitsberg rein oberflächlich betrachtet wieder aus, als wäre nie etwas passiert. Alle Schnitte sind wieder verfüllt, die freigelegten Mauern und Gräben sind nicht mehr sichtbar. Unter dem Humus jedoch liegen die Reste unserer 4-jährigen Arbeit. Sie wurden abgedeckt mit Dernoton, mit Geovlies oder auch manchmal nur mit genau dem gleichen Material, dass wir zuvor mühsam ausgegraben haben.

Manch einer mag sich fragen, ob diese Arbeit nicht enervierend ist, ob nicht das Wissen darum, dass nach der Grabung alles wieder im Boden verschwindet, einem die Arbeit verleidet. Dem ist ganz und gar nicht so, denn wir haben es auf dem Veitsberg sogar mit einer besonders glücklichen Situation zu tun: Bei jeder regulären Grabung ist hinterher wirklich alles weg – die Mauern werden abgebaut, Bauteile entnommen, alle Befunde ausgenommen bis auf den geologisch anstehenden Boden. Denn in der Regel wird nur im Zuge eines Bauvorhabens gegraben, und das bedeutet den Boden „archäologiefrei“ zu hinterlassen. Auf dem Veitsberg hingegen wurde besonders substanzschonend und denkmalerhaltend gearbeitet. Alles könnte rein theoretisch genauso wieder aufgedeckt werden, wie wir es zuvor ausgegraben haben.

Das geht natürlich einher mit einem gewissen Erkenntnisverlust – wir wissen nicht, ob sich nicht vielleicht unter den ergrabenen Mauerzügen ältere Befunde verstecken. Auf der anderen Seite konnte so aber über 1000 Jahre alte Architektur auch für die kommenden Generationen erhalten werden. Und wer weiß: vielleicht versuchen in 100 Jahren Archäologen mit modernerer Technik und verbesserter Methodik noch einmal ihr Glück, dem Geheimnis des Veitsberges auf die Spur zu kommen.

Großer Auftritt für den Veitsberg

Am Montag, den 07. Oktober 2013 fand bei bestem Herbstwetter die abschließende Presseveranstaltung auf dem Veitsberg statt.

Neben den Bürgermeistern (Hr. Bruno Altrichter, Hr. Bernhard Müller, Hr. Gerd Müller, Fr. Anne Zeisner) und ihren Stellvertretern aus Bad Neustadt, Hohenroth und Salz fanden sich der stellvertretende Landrat Helmut Will, der LEADER-Manager Wolfgang Fuchs sowie die ehemalige und jetztige Kulturreferentin aus Bad Neustadt (Fr. Gisela Sendner und Fr. Roswitha Altrichter) ein. Alle archäologischen Belange wurden durch Hr. Andreas Büttner vom BLfD, Hr. Prof. Peter Ettel von der Universität Jena, Hr. Michael Herdick vom RGZM, Lukas Werther von der Universität Jena und der Grabungsleitung, Petra Wolters, vertreten.

Zahlreiche Pressevertreter erschienen vor Ort, um sich über die Ausgrabungen zu informieren. Neben den Mitarbeitern der lokalen Presse, die von Anfang an regelmäßig über das Forschungsprojekt berichteten, traf auch ein Filmteam des BR auf dem Veitsberg ein, um Aufnahmen für die Abendschau zu drehen (http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/grabungen-herrschaftszentrum-veitsberg-100.html). Darüber hinaus berichtete die überregionale Presse, die Welt und die Süddeutsche Zeitung, über die hervorragenden Forschungsergebnisse dieses im Frühen Mittelalter so wichtigen Platzes.

Die Präsentation der Publikation „Zentrale Orte und zentrale Räume des Frühmittelalters“, rundete den Pressetermin ab. Darin sind die Ergebnisse der im Herbst 2011 in Bad Neustadt abgehaltenen Tagung nachzulesen, in der die Pfalz Salz mit anderen frühmittelalterlichen Zentralorten verglichen wird.

Ein Alleinstellungsmerkmal und sicherlich richtungsweisend für den Umgang mit Bodendenkmälern in Bayern ist das langfristige Schutzkonzept. Zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege haben die Kommunen Salz, Hohenroth und Bad Neustadt bereits einen Teil der nach wie vor landwirtschaftlich genutzten Grundstücke angekauft, um so das Denkmal für die Nachwelt zu erhalten.

Dieser Flächenankauf ist zugleich Grundlage für die geplante Inwertsetzung des Geländes: um Besuchern auch zukünftig einen Eindruck der imposanten Anlage auf dem Veitsberg vermitteln zu können sollen die Dimensionen und der Grundriss im Gelände kenntlich und durch zusätzliche Informationen erlebbar gemacht werden.